Die Frage, welche Folgen der Klimawandel für Unternehmen hat und welche Verantwortung sie künftig tragen müssen, wird immer klarer. Inzwischen sind grössere Unternehmen in der Schweiz verpflichtet, den Einfluss des Klimas auf ihr Geschäft zu -analysieren und zu bewerten. Dies ermöglicht es den Firmen, die verschiedenen Risiken wie Chancen (siehe -Grafik) besser zu verstehen und transparent darüber zu berichten. Dies wiederum hilft der Kundschaft, den -Investoren und der Öffentlichkeit, sich ein Bild zu -machen. Unternehmen müssen dabei mindestens zwei konkrete Klimaszenarien analysieren und beschreiben, wie diese ihre Geschäfte -beeinflussen.

Von Risiko zu Resilienz.
Alternative Bezugsquellen
Extreme Wetterereignisse sind oft Teil dieser Klimaszenarien: Hitzewellen senken die Produktivität, Überschwemmungen unterbrechen die Lieferung von Rohstoffen, Stürme beschädigen Produktionsstandorte. Neben diesen akuten Folgen des Klimawandels können auch schleichende Veränderungen in der Umwelt für Unternehmen gefährlich werden. So bedroht der steigende Meeresspiegel Produktionsstätten der Nahrungsmittelunternehmen, und der auftauende Permafrost gefährdet Förderanlagen von Rohstoffunternehmen.
Besonders betroffen von Klimarisiken sind international tätige Unternehmen, die auf eine Vielzahl von Zulieferern angewiesen sind und komplexe Produkte herstellen: Ihre -Fabriken und Warenlager in verschiedenen -Weltregionen müssen zunehmend gegen klimabedingte Ausfälle abgesichert werden. Das Einhalten der üblichen Gebäudevorschriften reicht oft nicht aus, denn diese sind auf den Schutz der Arbeitenden ausgerichtet. Gewisse Produkte oder Produktionsprozesse haben aber gegenüber Extremereignissen wie Hitze oder Überschwemmungen eine deutlich höhere Anfälligkeit.
Mittlerweile gibt es Tools, die bis zu 28 verschiedene Klimarisiken, basierend auf den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen, per Knopfdruck für alle relevanten Standorte berechnen können. Eine solche Analyse hilft, die richtigen Investitionen zum Schutz vor Klimarisiken zu tätigen und neue Produktionsstätten von Anfang an abzusichern.
Doch nicht nur die sich verändernde Natur setzt Firmen unter Druck. Auch regulatorische Rahmenbedingungen ändern sich. Neue Gesetze bringen veränderte Marktregeln, strengere Klimaziele oder eine Verteuerung des CO2-Ausstosses. Damit verändert sich auch die Nachfrage, und gewisse Technologien verlieren ihre Wirtschaftlichkeit. Diese Veränderungen müssen in die strategische Planung mit -einbezogen werden.
Wachstum durch Transparenz
Auch diese sogenannten Transi-tionsrisiken können quantifiziert und in -Investitionsentscheide mit einbezogen werden. Unternehmen, die früh auf diese Veränderungen reagieren, sichern sich Wettbewerbsvorteile und stärken ihre Position am Markt.
Der gesellschaftliche und regulatorische Druck kann aber auch helfen, Innovationen zu ermöglichen und Investitionen zu tätigen, die langfristig ohnehin nötig wären. Insofern bieten diese Entwicklungen auch unternehmerische Chancen: eine optimierte, energieeffizientere Produktion, nachhaltige Nutzung von Materialien oder innovative Mobilitätskonzepte. Und nicht zuletzt können klimafreundliche Unternehmen ihre Kosten besser kontrollieren und werden für Investoren attraktiver.
Bastien Girod ist Partner bei Deloitte Schweiz.