Hinter den Warnungen vor einem angeblichen Systemkollaps klafft eine gähnende Leere. Yvonne Gilli, die Präsidentin der FMH und damit oberste Ärztin der Schweiz, drückt im Interview mit der NZZ kräftig auf das Gaspedal der Angstmacherei. Sie behauptet, bei einer Annahme der 10-Millionen-Initiative würde das Gesundheitswesen zusammenbrechen, weil das Personal fehle. Das ist die gleiche Kampagne, die auch Justizminister Beat Jans führt, der völlig aus der Rolle fällt und als Abstimmungskämpfer durch das Land tingelt.
Anthony Anex/Keystone
Was an diesen Aussagen erschüttert, ist der völlig fehlende Glaube an die Fähigkeit der Schweiz, Probleme eigenständig zu lösen. Wenn es eine Ärztelücke gibt, dann müssen eben mehr Leute in der Schweiz Medizin studieren und die Kontingente entsprechend angepasst werden.
Man darf nicht vergessen, dass das schweizerische Gesundheitswesen in der Zeit vor der Personenfreizügigkeit keineswegs schlechter war als heute. Diese Eliten haben die Schweiz innerlich schon aufgegeben. Sie glauben nicht mehr an die Eigenkraft des Landes, sondern nur noch an die internationale Vernetzung, an den EU-Kolonialvertrag und die Unterwerfung unter fremde Rechtsprechung.
Auch Bundesrat Martin Pfister reiht sich hier ein, wenn er behauptet, wir brauchten die Nato für unsere Verteidigung. Es ist eine grassierende Schweiz-Müdigkeit in den Führungspositionen zu beobachten, die im krassen Gegensatz zum gesunden Patriotismus steht, den man in anderen Ländern noch findet.