Schleswig-Holsteins Sozialministerin Aminata Touré hat Kritik an Teilen der sogenannten Woke-Debatten geäussert. Die Grünen-Politikerin kündigte zugleich ihre Kandidatur für das Amt der Ministerpräsidentin in einem Interview mit der Zeit an. Touré erklärte, viele Menschen hätten sich «zu lange auf Begriffsdebatten eingelassen». Identitätspolitik sei nicht in erster Linie eine Frage von Symbolen oder Sprache, sondern solle gesellschaftliche Ungerechtigkeiten gegenüber Minderheiten und Frauen benennen und politisch bekämpfen.
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Den Begriff der Identitätspolitik verteidigte Touré grundsätzlich. Dieser sei ursprünglich von schwarzen Frauen in den USA geprägt worden, um politische und gesellschaftliche Benachteiligungen zu überwinden. Sie habe deshalb kein Problem damit, mit dem Begriff in Verbindung gebracht zu werden. Zugleich räumte die Grünen-Politikerin ein: «Wir haben aber auch Fehler gemacht.»
Zum Begriff «woke» sagte Touré, viele hätten sich dort «reingesteigert». Vor allem Menschen, die Machtpositionen über Jahrzehnte als selbstverständlich betrachtet hätten, hätten sich daran abgearbeitet. Seit 2019 und 2020 werde in Medien, Politik und Unternehmen stärker auch mit Schwarzen, behinderten oder queeren Menschen gesprochen. Inzwischen beobachte sie jedoch einen «Rollback». Dennoch werde gesellschaftliche Veränderung kommen. «Aber wir müssen dranbleiben.»
Touré kündigte zudem an, bei der Landtagswahl 2027 in Schleswig-Holstein als alleinige Spitzenkandidatin der Grünen antreten zu wollen. Der Zeit sagte sie: «Wenn Sie fragen, ob ich mir zutraue, Ministerpräsidentin zu werden, sage ich: ganz klar ja.» Auf Instagram bestätigte die 33-Jährige ihre Kandidatur. Die endgültige Entscheidung soll ein Landesparteitag treffen.