Europas wachsende wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA ist laut Economist-Analyse wesentlich das Ergebnis eigener Regulierungspolitik. Beobachter halten fest: «Europas Abhängigkeit von der amerikanischen Wirtschaft ist zu einem nicht geringen Teil selbst verschuldet.»
Im Zentrum steht eine über Jahre gewachsene Regulierungsdichte. Strenge Vorgaben in Bereichen wie Datenschutz, Wettbewerb, Umwelt oder Finanzmarkt erhöhten die Kosten für Unternehmen erheblich. Während grosse US-Konzerne diese Last dank ihrer Grösse bewältigen konnten, fehlte europäischen Firmen oft die Skalierung. Die Folge: Amerikanische Anbieter setzten sich auch auf dem europäischen Markt durch.
Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
Besonders sichtbar ist dies im Technologiesektor: Europäische Unternehmen spielen bei Künstlicher Intelligenz, Cloud-Diensten oder digitalen Plattformen kaum eine führende Rolle. Stattdessen dominieren US-Konzerne zentrale Infrastrukturen – von Smartphones über Zahlungsdienste bis hin zu Datenverarbeitung. Selbst staatliche Stellen greifen häufig auf amerikanische Anbieter zurück.
Auch im Finanzsystem zeigt sich die Entwicklung: Europäische Banken und Unternehmen sind stark in dollarbasierte Strukturen eingebunden und müssen damit indirekt US-Vorgaben folgen. Eine eigenständige europäische Zahlungsinfrastruktur wurde zudem durch Regulierung geschwächt und schliesslich an ein US-Unternehmen verkauft.
Hinzu kommt die Energiepolitik. Einschränkungen bei Förderung und Infrastruktur führten dazu, dass Europa heute einen Grossteil seines Gasbedarfs importiert – zunehmend aus den USA. Ähnliche Muster zeigen sich bei Rohstoffen, deren Abbau durch langwierige Bewilligungsverfahren erschwert wird.
Die Regulierung verfolgte jeweils legitime Ziele – vom Klimaschutz bis zur Marktaufsicht, so der Economist. In ihrer Gesamtheit schuf sie jedoch strukturelle Nachteile für europäische Anbieter und verstärkte die Abhängigkeit von externen Akteuren.
Brüssel versucht nun gegenzusteuern – etwa mit Initiativen zur technologischen Souveränität.