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Wie das Schweizer Fernsehen einseitig und politisch gefärbt über Luzern berichtet

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Mit Erstaunen habe ich die SRF-Dokumentation «Überrannt – Overtourism in der Schweiz» verfolgt. Besonders die Darstellung der Stadt Luzern empfand ich als einseitig und politisch gefärbt.

Der Beitrag vermittelt den Eindruck, Luzern werde vom Tourismus regelrecht überrollt und die Lebensqualität der Bevölkerung massiv beeinträchtigt. Als zentrale Stimme tritt dabei SP-Nationalrat David Roth auf, dessen kritische Haltung gegenüber touristischen Entwicklungen seit Jahren bekannt ist. Andere Sichtweisen oder politische Gegenpositionen kommen hingegen kaum vor.

Wie das Schweizer Fernsehen einseitig und politisch gefärbt über Luzern berichtet

Was dem Publikum ausserhalb Luzerns zudem verborgen bleibt: Die aktuelle Situation ist nicht einfach «vom Himmel gefallen». In Luzern wurde über Jahre hinweg über konkrete Entlastungslösungen diskutiert – unter anderem über ein unterirdisches Parkierungs- und Verkehrskonzept nahe der Altstadt. Dieses hätte Reisebusse und Verkehrsströme besser auffangen sowie die sensiblen Innenstadtbereiche deutlich entlasten können. Gerade jene politischen Kräfte, die heute den Übertourismus beklagen, haben solche Projekte jedoch bekämpft und verhindert.

Dass diese Zusammenhänge in der Reportage komplett ausgeblendet werden, ist problematisch. Dadurch entsteht der Eindruck, die Situation sei ausschliesslich Folge eines «zu grossen» Tourismus – und nicht auch Resultat politischer Entscheidungen und blockierter Infrastrukturprojekte.

Besonders kritisch erscheint zudem die starke Präsenz eines einzelnen Politikers und seiner Haltung, ohne vergleichbare Gegenpositionen angemessen einzubinden. Für eine öffentlich-rechtliche Produktion wirkt dies unausgewogen und teilweise beinahe wie politische Meinungsverstärkung zugunsten einer bestimmten Partei.

Natürlich bringt Tourismus Herausforderungen mit sich. Gleichzeitig ist er für Luzern ein zentraler wirtschaftlicher und kultureller Pfeiler. Tausende Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt davon ab. Eine seriöse Berichterstattung sollte deshalb differenziert aufzeigen, wo tatsächliche Probleme bestehen, welche Lösungen diskutiert wurden und welche politischen Akteure welche Verantwortung tragen.

Gerade vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk darf man erwarten, dass komplexe Themen ausgewogen und vollständig dargestellt werden – und nicht primär emotionalisiert.

Benjamin Koch ist Präsident des Wirtschaftsverbands der Stadt Luzern.

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