Eine Expertenkommission unter Beteiligung des ehemaligen deutschen Gesundheitsministers Karl Lauterbach fordert die WHO auf, wegen der Klimakrise einen globalen Gesundheitsnotstand auszurufen. Das berichtet der Spiegel unter Berufung auf einen neuen Bericht der «Paneuropäischen Kommission Klima und Gesundheit».
Die von der WHO eingesetzte Kommission verlangt die Ausrufung eines «gesundheitlichen Notstandes von internationaler Tragweite» – derselben höchsten Alarmstufe, die zuletzt während der Covid-Pandemie galt. Lauterbach erklärte, der Klimawandel müsse «ganz oben auf der Agenda der WHO stehen», weil vor allem die gesundheitlichen Folgen gefährlich seien.
SOEREN STACHE / KEYSTONE
In ihrem Bericht warnt die Kommission, die Klimakrise bedrohe bereits heute Gesundheit und Leben von Millionen Menschen. Allein im Jahr 2024 seien in Europa rund 63.000 Menschen an hitzebedingten Ursachen gestorben. Europa erwärme sich zudem doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt.
Die Experten schlagen unter anderem ein WHO-Informationszentrum für Klima und Gesundheit vor. Dieses soll Regierungen mit Daten und Argumentationshilfen gegen Klimaleugner unterstützen. Zudem sollen Staaten Subventionen für fossile Brennstoffe abbauen und ihre Gesundheitssysteme stärker auf Hitzewellen und andere Klimafolgen vorbereiten.
Bislang sehen die WHO-Regularien keinen globalen Klimanotstand vor. Die Kommission fordert deshalb eine Änderung der Regeln, damit die Organisation künftig koordinierte Gegenmassnahmen bei extremen Klimaereignissen einleiten kann. Der Bericht wird in Genf vorgestellt, wo die Weltgesundheitsversammlung über die künftige Ausrichtung der WHO berät.