Ein Meinungsstück in der deutschen Welt am Sonntag sorgt für Aufsehen: Chefredaktor Jacques Schuster erklärt unmissverständlich, dass die Ukraine den Krieg gegen Russland verlieren werde. Angesichts der bisherigen Haltung deutscher Leitmedien zur Ukraine-Politik markiert der Kommentar eine Zäsur – und bringt eine bisher selten ausgesprochene Einschätzung auf den Punkt.
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Unter dem Titel «Schmerzhafte Wahrheiten» zeichnet Schuster ein ernüchterndes Bild der militärischen und finanziellen Lage Kiews. Die Ukraine sei in einem Abnutzungskrieg gefangen, dem sie auf Dauer nicht standhalten könne. Es mangele an Soldaten, an Nachschub, an Geld. Russland hingegen könne Verluste verkraften und sich auf eine langfristige Strategie stützen. Der Westen habe sich redlich bemüht – aber die Realität lasse sich nicht länger ausblenden.
Brisant ist nicht nur die klare Diagnose – sondern, dass sie ausgerechnet in der «Welt» erscheint. Das Springer-Blatt war bislang als transatlantisch und betont ukrainisch-solidarisch positioniert. Nun schreibt der Chefredaktor: «Es wird Zeit, sich den Tatsachen zu stellen – nüchtern, schonungslos, unter Schmerzen.» Und weiter: «Die Ukraine wird den Krieg gegen Russland verlieren.»
Einziges Hoffnungsszenario: Ein strategisches Patt, das Putin zur Verhandlung zwingt. Eine Rückeroberung ukrainischer Gebiete hingegen hält Schuster für unrealistisch. Die Weihnachtsbotschaft ist bitter: «Die Tatsachen sind bedrückend», schreibt Schuster, um mit Schriftsteller Thomas Mann zu schliessen: «Auf lange Sicht ist eine schädliche Wahrheit besser als eine nützliche Lüge.»