Die Frachtraten im Persischen Golf sind infolge der weitgehenden Sperrung der Strasse von Hormus massiv gestiegen. Reedereien versuchen laut der Financial Times, Lieferungen zunehmend über Landwege mit Lastwagen umzuleiten. Betroffen sind Unternehmen in Europa, Asien und dem Nahen Osten, die nun mit Verzögerungen, Engpässen und deutlich höheren Kosten konfrontiert sind.
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Nach Angaben des Datenanbieters Clarksons Research verteuerte sich der Transport eines Standardcontainers auf der Route von Shanghai in den Golfraum innert weniger Wochen von 980 auf 4131 Dollar. Damit liegen die Preise inzwischen sogar über den Höchstständen während der Corona-Pandemie. Hauptgrund seien die höheren Treibstoffkosten sowie der Mangel an verfügbaren Lastwagenkapazitäten.
Die weltgrössten Reedereien, darunter Maersk, MSC, CMA CGM und Hapag-Lloyd, hätten deshalb alternative Landrouten eingerichtet. Güter würden nun über Häfen am Roten Meer oder am Golf von Oman nach Saudi-Arabien, Irak oder in die Vereinigten Arabischen Emirate transportiert und von dort per Lastwagen weiterverteilt. Der Chef von Maersk, Vincent Clerc, sprach von einer Mobilisierung «erheblicher Lastwagenkapazitäten» in Saudi-Arabien, Jordanien, Irak und der Türkei.
Die Transportkapazität auf dem Landweg bleibt jedoch beschränkt. Vor dem Krieg passierten täglich rund 135 Schiffe die Strasse von Hormus. Nun seien es nur noch wenige pro Tag. Laut Branchenangaben wurden bisher rund 38 Schiffe angegriffen. Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen erklärte, die Handelsströme in den Golfraum seien bereits um 60 bis 80 Prozent eingebrochen. Häfen priorisierten mittlerweile lebenswichtige Güter wie Lebensmittel und Medikamente.
Betroffen sind zahlreiche Branchen. Der indische Tata-Konzern meldete Verzögerungen von bis zu sechzig Tagen bei Lieferungen von Tee, Salz und Hülsenfrüchten in den Nahen Osten. Auch Düngemittelhersteller und Getreidehändler müssten ihre Waren mühsam umladen und über kleinere Schiffe oder Lastwagen weitertransportieren. Der Chef des Düngemittelhändlers Hexagon Group sprach von einem «logistischen Albtraum».
Zusätzlich leidet die internationale Nahrungsmittelhilfe unter den Umleitungen. Das Welternährungsprogramm der Uno meldete massive Verzögerungen bei Lieferungen nach Sudan und Afghanistan. Transporte, die früher über den Iran liefen, müssten nun aufwendig über mehrere Länder umgeleitet werden.