Während Björn Höcke mit seinen Thesen über «Ersatzdeutsche» im Westen die eigene Partei spaltet, greift die deutsche Medienlandschaft den Vorfall dankbar auf.
Die deutschen Leitmedien reagierten prompt und mit der erwartbaren Schärfe auf Björn Höckes Aussagen, in denen er Westdeutsche als blosse «Deutsch sprechende Amerikaner» abkanzelt. Für die grossen Redaktionen des Landes ist der Vorfall ein gefundenes Fressen dafür, das Kultur- und Volksverständnis des thüringischen AfD-Chefs wieder einmal genüsslich zu sezieren und als zutiefst rückwärtsgewandt vorzuführen.
Weltwoche
Der Spiegel betitelt das Geschehen scharf und direkt: «Björn Höcke spricht den Westdeutschen das Deutschsein ab». Das Hamburger Nachrichtenmagazin sieht in den Äusserungen keinen spontanen Ausrutscher, sondern Methode.
Höcke fabuliere sich hier eine gefährliche und «krude» Sonderrolle des Ostens herbei. Hinter der Argumentation des Thüringers verorten die Autoren im Kern die neurechte Erzählung vom «Grossen Austausch» sowie altbekannte antiwestliche Verschwörungstheorien.
Der Berliner Tagesspiegel schlägt in eine ähnliche Kerbe und warnt vor den «kruden Thesen» des Politikers. In einer detaillierten Analyse verweist das Blatt darauf, dass Höcke – der ironischerweise selbst in Westfalen geboren und im Westerwald aufgewachsen ist – hier klassischen «Neorassismus» bediene.
Indem er versuche, vermeintlich homogene Kulturen und starre Identitäten zu konstruieren, offenbare er ein zutiefst exkludierendes Menschenbild. Auch seine These, Deutschland agiere lediglich als geopolitischer «Vasall der USA», wird als untragbar und historisch blind zurückgewiesen.
Einigkeit herrscht in der deutschen Publizistik auch darüber, dass Höcke die Bühne alternativer Medienformate gezielt nutze, um rote Linien systematisch zu verschieben.
Dass er dabei die eigene Partei in einen inneren Kulturkampf stürze, wird von den Journalisten fast schon mit einer gewissen Genugtuung registriert. Die AfD, so der Tenor, demontiere sich durch den Eklat um ihren radikalsten Vordenker selbst.
Hier geht es zum Weltwoche-Gespräch mit Björn Höcke.