Der Iran erzielt im digitalen Propagandakrieg mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) eine unerwartet grosse Reichweite und Wirkung, berichtet der Eonomist. Analysten des Institute for Strategic Dialogue halten fest, dass entsprechende Netzwerke «mehr als eine Milliarde Aufrufe» innerhalb eines Monats erzielt haben.
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Ein zentraler Grund liegt in der technologischen Entwicklung: KI ermöglicht es, aufwendig wirkende Videos schnell und kostengünstig zu produzieren. Inhalte können nahezu in Echtzeit auf aktuelle Ereignisse reagieren und gezielt verbreitet werden. Gleichzeitig greifen die Systeme auf westlich geprägte Trainingsdaten zurück, was es erleichtert, kulturelle Codes, Humor und Sprache des Gegners präzise zu imitieren.
Auffällig ist die inhaltliche Strategie: Statt klassischer Parolen setzen die Produzenten auf satirische, popkulturelle Formate. Figuren wie Donald Trump werden in spielerischen Darstellungen – etwa als Lego-Charakter – verspottet. Die Clips sind oft englischsprachig, musikalisch unterlegt und orientieren sich an Internetkultur, Memes und Rap. Dadurch erreichen sie ein junges, globales Publikum.
Hinzu kommt die gezielte Themenwahl: Die Videos greifen bestehende Kritik an der US-Politik auf, etwa Kriegsführung, soziale Ungleichheit oder politische Polarisierung. Diese Narrative wirken anschlussfähig und erhöhen die Verbreitung. Die Botschaft wird indirekt vermittelt – nicht durch offizielle Regierungsvertreter, sondern durch unterhaltsame, leicht konsumierbare Inhalte.
Auch strukturelle Faktoren spielen eine Rolle. Plattformen wie X ermöglichen eine schnelle und breite Distribution, selbst wenn einzelne Kanäle auf anderen Diensten gesperrt werden. Gleichzeitig hat die US-Regierung eigene Kapazitäten zur Gegenpropaganda zuletzt reduziert, was das Ungleichgewicht verstärkt.
Trotz oft offensichtlicher Verzerrungen und Falschdarstellungen entfalten die Inhalte Wirkung, weil sie visuell dicht, emotional zugänglich und kulturell anschlussfähig sind. Beobachter sprechen davon, dass es den Produzenten gelungen sei, den «Zeitgeist» der digitalen Öffentlichkeit zu treffen.