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«Gruetze wiederand, ich begrüsse Sie ganz herzlich zu einer weiteren Ausgabe von Weltwoche Daily, spezial Meilensteine der Schweizer Geschichte. Mein Name ist Roman Zeller und ich bin heute hier mit Christoph Mörgeli an einem prächtigen Morgen im Sommer, oberhalb von Wallenstadt, auf dem Wallenstadtberg. Christoph, was machen wir hier? Warum ist dies ein Meilenstein der Schweizer Geschichte? Grüezi miteinander. In der Tat, wir befinden uns im Wallenstadtberg über dem Wallensee auf 1300 Meter Höhe, unterhalb der Kurfürsten, eigentlich direkt am Felsen der Kurfürsten. Und wir sehen hinüber auf die Flumser Berge. Wir sind aber nicht wegen der schönen Aussicht und der prachtvollen Lage da, sondern wegen einem ganz bestimmten kulturellen Denkmal. Hierbei handelt es sich um das sogenannte Paxmal, also eine Art Friedensdenkmal. Was ist das für ein Denkmal? Was hat es mit diesem Paxmal-Denkmal auf sich? Warum sind wir hier? Dieses Denkmal ist ein Werk, und zwar das alleinige Werk eines bedeutenden Schweizer Künstlers namens Karl Bickel. Karl Bickel hat eine übliche künstlerische Ausbildung durch... Er stammt aus Zürich-Hirslanden und wurde dann aber in jungen Jahren nach einer Italienreise, wo er auch bedeutende Inspiration erhalten hat, tuberkulose krank. Und zur Genesung begab er sich für 13 Monate in den Wallenstadtberg, wo es damals ein Sanatorium gab. und es war so wie eine Art Versprechen, wie ein Ex-Voto, wenn du... gesund wirst, sagte sich Karl Bickel, dann wirst du ein Denkmal schaffen und zwar in der Umgebung dieses Sanatoriums, da wo ich eben gelegen bin und auf Genesung gehofft habe. Was war dieser Karl Bickel für ein Mann? Warum ist er von Bedeutung? Karl Bickel war ein bedeutender Künstler insofern, als er unglaublich viele Briefmarken geschaffen hat. Er hat also in feinster Technik, mit feinsten Strichen unter dem Mikroskop Briefmarken gestaltet. Sehr viele für die Schweizer Post, aber auch für andere Länder, für Lichtenstein bis hin nach Portugal, auch für Luxemburg. Er hat sicher etwa 550 Briefmarken gestaltet. Und wenn man ausrechnet, hat mal jemand geschätzt, dass insgesamt 11 Milliarden Briefmarken benutzt. worden sind, die Karl Bickel geschaffen hat. Er hat mal gesagt, das Reizvolle an der Briefmarke ist das Kollektiv. Ich kann mit meiner Kunst eine enorme Menge von Menschen erreichen. Weisst du, wie er dazu kam? Es ist ja nicht alltäglich, dass ein Künstler sich spezialisiert auf Briefmarkendesign. Ja, das ist ihm einfach gelegen. Da hat er eine grosse Kunst entwickelt. Er hat natürlich auch alle anderen Arten. von darstellender Kunst betrieben, er hat aquarelliert, er hat in Öl gemalt, er hat Plakate gestaltet, sehr wichtige Werbeplakate auch für Veranstaltungen, für Firmen. Und wenn man denkt, dass er sehr lange am Mikroskop gearbeitet hat, ist ein solches Monument, das wir hinter uns sehen, natürlich dann eine ganz andere Sache, also gewissermassen vom Mikroskop zum Monument. Das ist... der künstlerische Lebensgang von Karl Bickel. Er hat aber fast zeitlebens, jedenfalls sehr lange, solche Briefmarken gemacht. Das war für ihn auch eine Art Lebenssicherung. Er hatte eine Familie und musste sie durchbringen. Am Parksmal hätte er nicht viel verdient. Könntest du noch ein bisschen diese Hintergründe, wie es zu diesem Parksmal kam, schildern? Es klang für mich bei der Einleitung fast ein bisschen als eine Art Befreiungsakt. dass das überhaupt zustande kam. Könntest du ein bisschen da noch etwas ausführen? Karl Bickel war sicher ein Suchender, eine philosophische Seele. Und er hat sich nach Krieg gesehnt. Der Erste Weltkrieg hat ja dann begonnen. Kaum war er aus dem Sanatorium entlassen. Das fürchterliche Ringen, europäisch ein Höllensturz mit vielen Millionen Toten, das hat ihn beschäftigt. Und er hatte dann auch noch den Zweiten Weltkrieg. erlebt, der ja noch ein viel schlimmeres Inferno war. Er hat sein Werk hier am Parksmal am Wallenstadtberg begonnen im Jahr 1924 und hat daran gebaut bis 1949, also innert 25 Jahren ist dieses Werk entstanden. Er hat übrigens direkt daneben gewohnt mit seiner Frau und seinem Sohn Karl, der ebenfalls Künstler geworden ist. Hat er das eigenhändig gemacht? Wir sind hier hochgefahren, eine unglaubliche Fahrt. Ich hatte ja fast schubartige Begeisterungsanfälle. Aussicht unglaublich, aber es ist trotzdem ein langer Weg hier hoch. Das ist ein unglaubliches Monument, gross, viele Steine. Wie kam das zustande? Die künstlerische Arbeit stammt von ihm. Er hat natürlich nicht jeden einzelnen Brocken hierher transportieren können. Da hat er schon eine gewisse Mithilfe. Aber was künstlerisch hier entstanden ist an Mosaiken, das ist wirklich Karl Pickels Werk. Und da kann man nur staunen, dass ein einzelner Mensch ein solches Bauwerk zustande bringt, damit wir ungefähr die Dimensionen haben. Allein die beiden Mauern, die sich gegen vorne bewegen, bei uns im Rücken, sind 16 Meter lang und 6 Meter hoch. Warum? Genau hier. Warum in Wallenstadtberg? War das ein Auftrag des Kantons St. Gallen? Wir befinden uns im Kanton St. Gallen. War es ein Wunsch des Dorfes Wallenstadtberg? Warum hier? Lustigerweise hat sich dieses Denkmal eigentlich, als es entstanden ist, nur Karl Pickel gewünscht. Es ist auch in seinem Kopf entstanden. Das war kein Auftragswerk. Das hat niemand wirklich in Auftrag gegeben oder sich so gewünscht. Das hat er aus eigener Inspiration hier hingestellt. Er wollte wirklich ein Friedensmal und so ist das entstanden. Das ist kein Tempel, das ist aber eine Art der Inspiration. Das ist sicher auch für viele ein Kraftort und es ist eine herrliche Ruhe hier. Man kann es besuchen in den Sommerzeiten, also Frühling bis Herbst. Im Winter ist es nicht ganz immer schneesicher. ist es nicht unbedingt zugänglich. Kommen wir noch ein bisschen auf die Menschen, auf die Abbildungen, auf die Mosaiken hier. Warum ist diese Vielzahl an Menschen abgebildet? Was will er damit sagen? Warum diese Bildnisse? Ja, er hat ein Bildprogramm entwickelt, das auf der einen Seite vor allem den Arbeitenden, den schöpferischen Menschen zeigt. Da hat er auch grosse Vorbilder. Vorbilder abgemalt bzw. abgebildet, die ihn inspiriert haben. Da ist einmal Johann Heinrich Pestalozzi, der grosse Erzieher, dann der Dichter Karl Spitteler, später Nobelpreisträger. Da ist auch Ferdinand Hodler, der ihn inspiriert hat. Und auf der anderen Seite, auf der gegenüberliegenden Seite des Schöpferischen, des geistigen Menschen ist dann das... Werden das Wachsen, die Familie, auch das Entstehen von Leben abgebildet mit nackten Körpern sehr anschaulich dargestellt für die damalige Zeit? Man kann sich da wirklich etwas vorstellen. Und auch da hat er gewisse Vorbilder bei diesen Darstellungen. Wie ging es mit dem Künstler weiter? war er, konnte dieses Denk mal, nach seiner Vollendung quasi noch geniessen, ist er dann kurz daraufhin gestorben. Wie ging es in seinem Leben dann weiter nach diesem quasi Lebenswerk, das er erstellt hat? Er ist 1887 geboren und hat sehr lange gelebt, nämlich bis 1982. Im Jahr 1966 hat er dieses Parks mal den PTT-Betrieben geschenkt, also der Schweizerischen Post. hat es dann in Verwahrung genommen, auch verwaltet. Es ist übrigens bestimmt, dass man das gratis ansehen muss. Es darf hier kein Eintritt erhoben werden. Und die PTT-Immobilien wiederum haben es dann einer Karl-Bickel-Stiftung weitergeschenkt im Jahr 2002. Und die hat dann auch wirklich etwas... daraus gemacht. Entschuldigung, jetzt bin ich etwas verrutscht. Es war 2016, dass man dieses Grundstück und dieses Denkmal weitergeschenkt hat, aber die Stiftung existiert seit 2002 und man hat im Dorf unten in Walenstadt auch ein Museum gebaut für Karl Bickel, beziehungsweise eingerichtet in einer Industrieanlage Okay. Und da werden wechselnd Ausstellungen gezeigt. Man möchte auch irgendwann dann eine Dauerausstellung für Karl Bickl zeigen. Und das würde auch zeigen, wie vielseitig dieser Mann war, was er alles beherrschte, welche Techniken er wirklich konnte. Ich kenne mich in der Briefmarkenwissenschaft zu wenig aus. Aber was ist vielleicht da die bemerkenswerteste Briefmarke? Die interessanteste, bedeutendste, die er geschaffen hat, damit man sich da ein bisschen orientieren kann, was genau auf ihn zurückgeht. Er hat beispielsweise Persönlichkeiten abgebildet, Schweizer Persönlichkeiten, vor allem für die beliebten Pro Juventute-Markensätze. Und da ist mir schon als Knabe aufgefallen, der Heinrich Pestalozzi, dieses Gesicht, der hat sich auch in diese Gesichter hinein vertieft. Was sind für Typen dahinter? Die ganze Güte und Uneigennützigkeit, die dieser Pestalozzi ausstrahlt, hat er auf eine kleine Marke gebannt. Das ist schon eine grosse Kunst. Er hat aber auch Bauwerke gezeigt. Er hat Landschaften gezeigt auf den Marken. Lustigerweise sind die frühen Marken dann fast etwas zu modern gewesen. Obwohl Bickel niemals die darstellende Kunst verlassen hat, das ist immer klar und konkret bei ihm, aber doch einigermassen normal. Zuerst, sagen wir mal jetzt, normal fortschrittlich für die Kunst, aber für das Publikum vielleicht doch etwas zu überraschend. Frühe Technik-Begeisterungsbriefmarken etwa aus dem Bereich Aviatik. Was ist die grosse Leistung? von Karl Bickel. Warum ist dieses Parksdenkmal ein Meilenstein der Schweizer Geschichte? Dieses Denkmal verkörpert wirklich die Sehnsucht nach Frieden. Eines einzigen Menschen, der aber diese Sehnsucht sicher weitergeben konnte. Und wir sind in einer extrem friedlichen Landschaft mit diesem Parksmal. Wir sind in einem extrem friedlichen Land. Die Schweiz hatte weit über 200 Jahre keinen Krieg mehr erlebt. Gerade in der heutigen Zeit kann uns ein solches Parksmal doch sehr viel schenken. Wir wissen, der Krieg ist zurückgekehrt, nach Europa sogar, einige wenige Flugstunden von hier entfernt. Es herrscht Krieg im Nahen Osten. Wir wissen nicht, wie das weitergeht. Gerade in solchen Zeiten weiss man eigentlich wieder oder müsste sich wieder daran erinnern, welchen Wert eigentlich der Friede darstellt, wenn wir da stehen im Glockengeläute. an einem herrlichen Tag, dann werden wir uns vielleicht dessen wieder mehr bewusst. Hatte Karl Bickel auch eine politische Motivation hinter diesem Friedensdenkmal? Ist das ein Statement für die Neutralität, für die guten Dienste der Schweiz, als Brückenbauer inzwischen kriegerischen Staaten zu agieren? War das auch ein Hintergrund dieses Denkmals oder ist das völlig losgelöst, rein künstlerisch, sehnsuchtsmässig, wie du es gesagt hast? Karl Bickel war sicher überzeugter Schweizer, aber er hatte keine politische Mission in dem Sinne. Was er hier hinstellen wollte, ist wirklich eine künstlerische Inspiration, ein Ort des Nachdenkens, auch in dieser Kunst des späten Jugendstils, würde ich mal sagen. Der Jugendstil hat ihn natürlich auch enorm beeinflusst und dann eben auch die Italiener. Also vor allem Michelangelo hatte es ihm. angetan und das spürt man ein bisschen in der Darstellung dieser nackten Körper, die eben das Urmenschliche verkörpern und die Sehnsucht nach Frieden, nach Geborgenheit, nach Familie, nach Schutz, Beschirmung, aber eben auch nach beruflicher Herausforderung, geistiger Inspiration und es geht darum. das Leben zu bestehen, durchaus auch werktätig, durchaus nicht ohne Mühsal, aber doch immer im Sinne eines Besseren. Warum ist dieses Denkmal, dieses Friedensdenkmal unter dem Radar? Ich habe noch nie davon gehört. Völlig hinter den, also fast schon versteckt hier am Wallenstadtberg. Warum weiss man fast nichts darüber? Weisst du das? Es ist wirklich nicht sehr bekannt überregional. Natürlich die Menschen hier im St. Galler Oberland. Am Walensee, die kennen es. Wer es auch kennt, sind vielfach noch Männer, die hier Dienst geleistet haben. Wallenstadt ist ein bekannter Waffenplatz. Da war mal eine Schiessschule, das ist immer noch vom Militär belegt. Da gibt es auch Kaderkurse und die Soldaten werden regelmässig, ich glaube es ist noch immer so, es war zu meiner Zeit so, doch hierher geführt und ihnen wird dieses Parksmal gezeigt. Und so habe ich es eigentlich auch kennengelernt. Ich habe doch einige Militärdienste hier in Wallenstadt verbracht, wie andere Männer auch. Was haben wir vergessen? Was gibt es noch Berichtenswertes über dieses Parksdenkmal zu erzählen? Haben wir etwas Wichtiges vergessen? Ich glaube, das ist es ungefähr. Es ist sicher lohnenswert, sich auch das Museum von Karl Bickel mal anzusehen. Unten in Walenstadt, das ist also nicht so eine lange Anreise, aber auch hier ist es doch zu bewältigen. Der letzte Teil geht zu Fuss, aber das ist nicht mehr sehr lange. Man kann hier parkieren, man kann sich dieses Parks mal ansehen und ich meine, und man wird das auch sehen im Hintergrund, es ist sehr empfehlenswert. Dem kann ich mich wirklich nur anschliessen. Vielen herzlichen Dank, lieber Christoph. Ihnen danken wir ganz herzlich für die Aufmerksamkeit. Wir empfehlen Ihnen tatsächlich wärmstes dieses Parksdenkmal sich anzuschauen. Nur schon, allein schon, wegen dieser atemberaubenden Aussicht. Tatsächlich, ich bin wirklich überwältigt. Jetzt wünsche ich aber Ihnen einen wunderschönen Samstag, ein schönes Wochenende und bis zum nächsten Mal, wenn es wieder heisst Weltwoche Daily Spezial mit Meilenstein der Schweizer Geschichte. Vielen herzlichen Dank.

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Meilensteine der Schweizer Geschichte: Prof. Christoph Mörgeli über das «Paxmal», den Briefmarken-Künstler Karl Bickel und seine Sehnsucht nach Frieden

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Meilensteine der Schweizer Geschichte: Prof. Christoph Mörgeli über das «Paxmal», den Briefmarken-Künstler Karl Bickel und seine Sehnsucht nach Frieden
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Kapitel

  1. Einleitung: Begrüssung und Einführung
  2. Standortbeschreibung: Wallenstadtberg und das Paxmal
  3. Das Paxmal: Ein Friedensdenkmal von Karl Bickel
  4. Biografie von Karl Bickel: Künstlerischer Werdegang
  5. Karl Bickel: Bedeutung als Briefmarkenkünstler
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Anmerkung der Redaktion: Gerade in diesen kriegerischen Zeiten muss sich die Schweiz vor Augen führen, welch hohes Gut ihr Friede ist – seit über 200 Jahren blieb das Land von Kriegen verschont. Aus diesem Grund zeigen wir unseren Beitrag über das Friedensdenkmal am Walenstadtberg erneut (Erstveröffentlichung: 3. August 2024). Die Botschaft dieses Meilensteins der Schweizer Geschichte ist heute dringlicher denn je.

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