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«Gruetzi Miteinand», ich begrüsse Sie ganz herzlich zu einer weiteren Ausgabe von «Weltwoche täglich» spezial Meilensteine der Schweizer Geschichte. Mein Name ist Roman Zeller und neben mir bereitschätzt schon Professor Christoph Mörgerli. Wir sind heute im Engadin zu Werke im Kanton Graubünden, hinter uns ein stattliches Gebäude, das aus dem Walde ragt. Lieber Christoph, was ist heute der Meilenstein der Schweizer Geschichte? Grüezi miteinander. Wir sprechen vom Waldhaus Sils im Oberengadin. Ein aussergewöhnliches Haus. Das sehen wir schon an der Form, das sehen wir an der Geografie, am Standort. Aussergewöhnlich ist aber auch, dass bis heute in fünfter Generation dieses Hotel im Besitz der gleichen Familie geblieben ist. Was ist das für eine Familie? Wer ist da der Besitzer? Der Besitzer ist mittlerweile verschiedentlich, was den Namen betrifft, wechselhaft gewesen. Nämlich, es haben sich auch jeweils Schwiegersöhne hier eingebracht mit dem Namen. Aber gegründet wurde dieses Waldhaus in Sils im Juni des Jahres 1908. und gebaut haben das Hotel das Ehepaar Josef Giger und seine Frau. Amalie Nick. Giger ist in Murg am Wallensee aufgewachsen. Seine Frau war die Tochter des Gemeindepräsidenten von Pfäfers, eines Bauunternehmers. Und die beiden haben über Jahrzehnte grosse, bedeutende Hotels geleitet. Und zwar in angestellten Funktionen. Beispielsweise in Bad Ragaz, dann auch in St. Moritzbad, zum Teil auch im Ausland an mondänen Orten. Und im Alter, man kann vielleicht nicht sagen im fortgeschrittenen Alter, aber doch in einigen gesetzten Alter von 61 von ihm bzw. 59 von ihr, hat jetzt dieses Ehepaar Giger Nick beschlossen, ein eigenes Haus ganz nach ihren Vorstellungen zu gründen, zu bauen und zu betreiben. Warum im Engadin, warum in Sils Maria? Natürlich haben die beiden das Engadin gekannt. durch ihre Tätigkeit in St. Moritzbad. Und es ist tatsächlich so, dass die Landschaft hier natürlich im Oberengadin, vor allem gegen den Silsersee, wo es sich alles gegen den Süden öffnet, wo auch früh schon der Frühling hier von unten herauf kriecht, eine ganz besondere Landschaft, eine ganz besondere Gegend ist. Und das Ehepaar gegen die Katastrophe. gemerkt und hat hier den entsprechend feudalen und fantastischen Bauplatz gefunden mit riesiger Rundsicht, einerseits natürlich auf den Silsasee Richtung Maloja, aber eben auch in den unteren Teil des oberen Gardins. Das Ehepaar muss unglaublich vermögend gewesen sein, dass es so einen Prachtsbau da hinstellen konnte. Stimmt das? Sie haben schon anständig verdient und man lebte damals auch sparsam. Man hat Franken auf Franken gelegt. Das war ein bisschen was da auch von den Eltern sicher, von Erbschaften. Und so hat sich das EHEPA diesen Traum erfüllen können, eben ein Haus zu begründen und zu errichten, ganz nach ihren Vorstellungen. Sie hatten auch einen genialen Architekten, der das gebaut hat. Karl Koller. Er war wirklich ein führender Hotelbauer. Das Haus weist bereits ein bisschen in die Moderne. Es ist also nicht mehr so verspielt wie am Fin de siècle oder am ausgehenden 19. Jahrhundert mit sehr viel Schnickschnack und Schnörkeln. Also bereits recht schnörkellos und doch in imposanter Architektur. Nicht trutzig, nicht abweisend, sondern im Gegenteil einladend. Was war die Vision damit? Die Vision war es, hier ein fantastisches Fünf-Sterne-Haus der Gehobenen, der Luxusklasse, zu bauen. Und das in einmaliger Umgebung und hier eben auch Menschen anzuziehen. Es ist vielleicht interessant, am Anfang war das Haus nur im Sommer geöffnet. Also nur in den warmen Jahreszeiten, erst 1963 hat man die Wintersaison. eingeläutet hier im Waldhaus in Sils. War das von Anfang an ein voller Erfolg? Das war am Anfang ein grosser Erfolg. Die Leute kamen, die... Die Leute waren natürlich auch wundrig, was da genau läuft, wie das jetzt aussieht. Sie haben sich beeindrucken lassen, sie sind wiedergekommen, aber es kamen schon bald schwierige Jahre. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs sind die Gäste dann vielfach ausgeblieben, vor allem aus dem Ausland. Da war nicht mehr viel zu machen und das war natürlich eine schwere Belastung. hohen Kosten, in die man sich hier gestürzt hat beim Bau dieses Hauses. Wie konnte man dieses Hotel weiter betreiben, ohne grosse Gäste? Die Familie hat es dann weiter betrieben und das alternde Ehepaar hat 1918 das Haus an die Tochter und an den Schwiegersohn weitergeben können. Das war die Tochter Helene. Die beiden hatten übrigens vier Kinder. Die waren beim Bau dieses Hauses schon erwachsen. Vielen Dank. Sie hatten drei Töchter und einen Sohn. Und diese Tochter Helene hat einen Oskar Kienberger geheiratet. Die Kienbergers waren bereits erfahrene Hoteliers im Quellenhof in Bad Ragaz. Und das Ehepaar Helene und Oskar Kienberger hat das Haus jetzt durch die Zwischenkriegszeit und dann auch durch die kommende Kriegszeit wieder geführt mit sehr viel Geschick, mit sehr viel Gastfreundschaft, die sie ausstrahlten. Und man kann sagen, dass gerade in dieser Zwischenkriegszeit ein enorm prominentes Publikum ins Waldhaus in Sils geströmt ist. Da gibt es kaum einen Namen der Geistesgrössen, auch der Wirtschaftsmagnaten, der Politik, der Kultur, des Theaters, der Musik, der Literatur. die hier nicht irgendwann abgestiegen sind. Auf Risiko hin, dass wir viele natürlich vergessen werden, kannst du ein, zwei Beispiele vielleicht sagen, die hier angezogen wurden durch diesen Kraft- und magischen Ort Sils Maria? Zum Beispiel war hier der britische Premier Neville Chamberlain, dann später auch der deutsche Bundespräsident Theodor Heuss, Thomas Mann war natürlich hier, Rilke war hier, Es waren die grossen Theaterleute. Heute Reinhard hier, Musiker, Dirigenten. Also man kommt gar nicht zu einem Ende, wenn man hier alle aufzählen möchte. Es ist wirklich ein Who is Who der damaligen Zeit von Geistesgrössen in verschiedenster Beziehung. Was hat diese Menschen angezogen? Was hat dermassen fasziniert, um hier hoch in Sengadin zu pilgern? Das war natürlich die einmalige Landschaft, die Einlud. Diese Landschaft auch in verschiedenster Beziehungen. Zu geniessen, zu durchwandern, zu durchfahren, wie immer man hier unterwegs war. Und dann eben auch die Hotelarchitektur, sehr, sehr einladend, sehr gastfreundlich. Die Küche selbstverständlich, der Weinkeller und die unnachahmliche Gastfreundschaft dieser familiären Atmosphäre in diesem Haus. Das natürlich mit einer sehr, sehr grossen Anzahl von Angestellten. funktionieren musste, denn es geht ja in der Hotellerie nur immer sehr personalintensiv zu und her. Wenn man da am Personal spart, kommt es meistens nicht gut, denn dann fühlen sich die Gäste nicht mehr gut betreut. Wie ertragreich war die Zeit während des Zweiten Weltkriegs? Da wurde es wieder schwieriger, das ist selbstverständlich. Da blieben wieder die Gäste aus dem Ausland, aber man hat in der Familie auch diese Zeit. irgendwie meistern können. Das war ein Kunststück, das war sicher nicht einfach. Das gilt übrigens für die gesamte Hotellerie hier im Engadin, gerade für die Luxushotellerie. Da wurde auch manches Haus umgestellt in ein Flüchtlingslager zum Beispiel oder Ähnliches. Das kam hier nicht infrage. Und die Familie hat dieses Haus tatsächlich über diese Zeit erfolgreich gebracht. Gab es danach wieder einen regelrechten Aufschwung? Gab es eine erneute Blütezeit, eine Hochzeit? Wie verliefen die Folgejahre? Unbedingt. Es gab dann auch in der Nachkriegszeit wieder Blütejahre bis heute. Also das lief dann wirklich sehr gut. Das Haus wurde bekannt. Das Haus ist immer wieder frequentiert worden von denselben Gästen, weil man sehr gerne hierher zurückkehrt. Es gab ja also wirklich eine... Bindung zwischen Gästen und den Gastgebern. Das war dann in neuer Generation eine Familie Dietrich, die dazu kam. Das heisst, Kinder Kienberger und Dietrich haben gemeinsam das Haus geführt. Überhaupt, bei den Kindern waren die einen wieder etwas ferner, die anderen wieder etwas näher beteiligt an der Führung dieses Hauses. Aber die Familie hat immer sehr, sehr eng an Teil genommen, was hier läuft in Sils und wie dieses Waldhaus eben funktioniert und ob und warum es Erfolg hat. Was war das Geheimrezept oder allgemein das Erfolgsrezept dieser Familie zum Erfolg dieses Hotels? sicher gehört dazu, dass man die ursprüngliche Atmosphäre nicht zerstört hat. Es sind noch Möbel, immer von 1908 hier vorhanden. Das ist unglaublich und das hat dem Hotel beispielsweise 2005 auch einen renommierten Preis eingetragen. Also diese Treue auch zur Tradition, zur Geschichte. Und andererseits hat man das, was eben heute erwartet wird, auch erneuert. Also was sanitarisch erwartet wird, was natürlich bezüglich Komfort bezüglich Wellness erwartet wird, bezüglich Sportmöglichkeiten auch. Das wurde hier gemacht und zwar mit sorgfältiger Hand, wirklich mit guten und einfühlsamen Architekten. Und die Familie hat hier auch immer wieder natürlich sehr viel Geld aufbringen müssen. Und das waren Investments, die nicht so einfach sind und die sich aber letztlich dann gelohnt haben. Mit Erfolg bis in die Gegenwart. Das kann man sicher sagen, mit Erfolg bis in die Gegenwart. Dazu trägt auch bei, dass selbstverständlich immer wieder Gäste kamen, die hier etwas Besonderes erhalten. Und das ist immer wieder auch Kultur. Das heisst Musik, das heisst Konzerte, das heisst Lesungen durch Schriftsteller. Es ist auch eine Art Poem hier zugange, also die Kulturelit. ist sehr gerne hier im Hotel. Schriftsteller, wie ich gesagt habe, auch Schauspieler. Bruno Gans war hier zum Beispiel und hat sich auch vorgestellt, es gibt dann Veranstaltungen, die sehr, sehr gerne besucht werden und die natürlich den Hotelbetrieb und den üblichen Alltag beleben. Wie steht Sils Maria zu St. Moritz, das unweit entfernt ist? ist das eine Ein Zweikampf der beiden super Hotspots in Sachen Tourismus, Luxustourismus auch? Ich meine, die Unterschiede sind dann doch zu gross. Natürlich ist St. Moritz lebhafter, es läuft da mehr, man kann vielleicht auch mehr konsumieren in den Boutiquen oder auch in den Restaurants oder wo immer man will. Hier ist die Atmosphäre sehr, sehr viel ruhiger, aber die Landschaft vielleicht doch noch ein Stück erhabener, noch ein Stück interessanter. intakter. Diese Seen, die blauen Flächen des Silsasees, des Silvaplanersees, sind einmalig, selbstverständlich hat seinen St. Moritzasee, auch der ist nicht zu verachten. Aber hier oben ist die Atmosphäre ganz besonders und lädt natürlich zu Spaziergängen ein. Es muss jeder Schweizer, jede Schweizerin über diesen magischen Ort wissen, warum ist dieses Hotel. Hotel ist Sils Maria ein Meilenstein der Schweizer Geschichte. Es ist ein ganz wichtiger Markstein in der Geschichte der schweizerischen Hotellerie, die natürlich für den Tourismus und damit für einen wichtigen Wirtschaftsaspekt des Landes enorm bedeutend ist. Und es ist ein Stück erfolgreicher Hotellerie. Nicht weit entfernt von hier ist das berühmte Hotel von Maloja, Maloja Palace. Das hat der. Eine nicht immer so erfolgreiche Geschichte, denn 1884 von einem belgischen Grafen gegründet, haben sich seine Ideen nicht ganz realitätswirklich erwiesen. Also man hat hier doch zu grosse, weitfliegende Pläne gehabt. Er wollte ein Casino einrichten und das durfte er nicht. Und die Gäste sind dann doch weitgehend ausgeblieben und das Haus hatte Krisen. Ist jetzt aber auch wieder... auf Vordermann gebracht und ebenfalls schön zu frequentieren. Aber dieses Haus, wirklich in fünfter Generation, jetzt seit 2010 durch zwei Herrn Dietrich geführt, ist einmalig in der Kontinuität. Und dazu gehört natürlich auch das Personal. Sehr viele seit Jahrzehnten kommen aus Portugal, viele Portugiesen, die hier arbeiten. Das hat sich so ergeben. Aber auch aus anderen Nationen, viele entsprechende Angestellte. Es gab noch eine Hausorchester, drei Köpfe, die aus Osteuropa stammten. Da haben sich dann auch schöne Beziehungen zwischen der Familie und diesen Herkunftsorten und der Herkunftsbevölkerung ergeben. Wie geht es weiter mit diesem Hotel? Ist da ein neues Spektakel geplant? geplant, ein Umbau vielleicht sogar? Oder bleibt da Schuster bei seinen Leisten, beim Bewerten, bei der Tradition? Wie sieht die Zukunft aus dieses Hotels? 2008 hat das Hotel das 100-jährige Jubiläum gefeiert, mit einem sehr schönen Buch, wo vor allem die Angestellten zu Wort kommen. Das finde ich sehr sympathisch. Es ist nicht so, dass sich da die Gründer- und Besitzerfamilie hauptsächlich in den Vordergrund spielt, sondern es sind die Angestellten, welche die erste Geige spielen in diesem Jubiläumsrückblick. Und natürlich macht man sich Gedanken immer wieder, dieses Haus. auf dem neuesten Stand zu halten, sanft zu renovieren, da wo das nötig ist, aber eben immer mit dem nötigen Fingerspitzengefühl, sodass eigentlich das Lebensgefühl von 1908, vom fin de siècle, von dieser prachtvollen Zeit, die dann halt etwas untergehen sollte, im Höllensturz von zwei Weltkriegen, dass dieses Lebensgefühl immer noch nachvollziehbar und spürbar ist. Was haben wir noch vergessen? Was ist sonst noch erwähnenswert, bemerkenswert über diese wirklich wunderschöne Region hier? Neben den Bergen, neben den Seen ist auch das Dörfchen Sils sehenswert mit einigen noch alten Bauten, ursprünglichen Oberengadinerhäusern und natürlich dann das Haus, wo Friedrich Nietzsche gelebt hat, als ganz besonderer Anziehungspunkt, wenn man durch dieses Dorf spaziert, dann spürt man vielleicht auch noch etwas Nietzsche-Geist. Ein Hauch von Jahrhundertschriftstelle. Lieber Christoph, ganz herzlichen Dank für diese Ausführungen. Ihnen danken wir ganz herzlich für die Aufmerksamkeit. Wir wünschen Ihnen einen wunderschönen Samstag, ein frohes Wochenende. Bis zum nächsten Mal bei Weltwoche Daily Spezial und vor allem bis zum nächsten Mal bei Meilensteine der Schweizer Geschichte. Vielen herzlichen Dank.

Meilensteine der Schweizer Geschichte: Prof. Christoph Mörgeli über das Hotel «Waldhaus» in Sils und das Erfolgsrezept der Besitzerfamilie in fünf Generationen

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Meilensteine der Schweizer Geschichte: Prof. Christoph Mörgeli über das Hotel «Waldhaus» in Sils und das Erfolgsrezept der Besitzerfamilie in fünf Generationen
Meilensteine der Schweizer Geschichte: Prof. Christoph Mörgeli über das Hotel «Waldhaus» in Sils und das Erfolgsrezept der Besitzerfamilie in fünf Generationen
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Kapitel

  1. Einleitung und Begrüssung
  2. Vorstellung des Waldhauses Sils
  3. Gründung und Bau des Waldhauses
  4. Lage und Besonderheiten des Engadins
  5. Finanzierung und Bau des Hotels
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