Eine Mehrheit der Kanadier ist laut einer Umfrage offen dafür, eine EU-Mitgliedschaft zumindest zu prüfen. Direkt danach heisst es, 57 Prozent der Befragten unterstützten diesen Schritt – trotz geografischer Distanz zu Europa.
Auslöser der Debatte ist vor allem die Entwicklung der Beziehungen zu den USA unter Präsident Donald Trump. Dessen Politik gegenüber Kanada – von Zöllen bis zu spöttischen Bemerkungen und wiederholten Andeutungen, das Land könne zum «51. Bundesstaat» werden – hat das Vertrauen spürbar erschüttert. Gemäss zitierten Daten halten 58 Prozent der Kanadier die USA nicht mehr für einen verlässlichen Partner, nur noch 37 Prozent sehen sie als Verbündeten.
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Die wirtschaftlichen Folgen verstärken die Verunsicherung. Die erratische Zollpolitik Washingtons belastet den Handel, einen zentralen Pfeiler der kanadischen Wirtschaft. Gleichzeitig wächst das Interesse an alternativen Märkten und politischen Bündnissen.
Politisch bleibt die Debatte vorerst folgenlos. Premierminister Mark Carney hat sich bislang nicht dazu geäussert. International sorgt die Idee dennoch für Aufmerksamkeit. Frankreichs Aussenminister Jean-Noël Barrot reagierte offen und sagte: «Warum nicht?»
Experten relativieren die Dynamik. Der Politologe Jonathan Cristol sieht laut Bild-Zeitung weniger Trump als Ursache denn als Auslöser der Umfrage. Entscheidend sei für viele Kanadier der Zugang zu «Jobs und Chancen in ganz Europa». Andere Stimmen halten einen EU-Beitritt für «sehr unwahrscheinlich» und verweisen auf die enge wirtschaftliche Verflechtung mit den USA sowie die geografische Distanz.