Andreas Ronken, Chef des Schokoladenherstellers Ritter Sport, sieht Deutschland am Wendepunkt – und warnt vor einer trügerischen Selbstzufriedenheit. «Oft denke ich: Uns geht es noch zu gut», sagte Ronken im Interview mit dem Nachrichtenportal T-online. Der Geschäftsführer fordert unter anderem eine Debatte über ein höheres Rentenalter und kritisiert zugleich überbordende Regulierung und politische Lethargie.
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«Wir sollten später in Rente gehen – weil wir es können», so Ronken. Die Arbeitswelt sei weniger körperlich belastend als früher, und das Gesundheitssystem ermögliche ein längeres Erwerbsleben. Anhand eines persönlichen Beispiels – seines früh verstorbenen Grossvaters – zeigt er, wie sehr sich die Verhältnisse verändert hätten. Viele Menschen würden heute länger arbeiten wollen.
Die grösste Gefahr für den Standort Deutschland sieht Ronken jedoch im wachsenden «Regulierungswahnsinn» und ständig wechselnden Vorgaben. Dies verhindere Planungssicherheit und blockiere Investitionen. «Wir brauchen mehr Pragmatismus», so der Appell des Managers. Deutschland verfüge zwar über eine starke Ausbildung und Forschung, doch echte Reformen kämen oft erst, wenn der Wohlstandsverlust spürbar werde.
Eine zentrale Rolle komme der Politik zu. «Wir sind darauf angewiesen, dass diese Regierung – SPD und Union zusammen – das schafft. Sonst wird es wirklich eng», warnte Ronken.
Zur umstrittenen Russland-Strategie seines Unternehmens nahm der CEO ebenfalls Stellung. Obwohl sich das Geschäft in Russland wirtschaftlich kaum noch rechne, hält Ritter Sport am Markt fest. «Ein Rückzug hätte schwerwiegende Folgen gehabt», erklärte Ronken. Die Entscheidung sei «eine der härtesten» seines Berufslebens gewesen – ein Dilemma zwischen Haltung und Verantwortung. «Es ging um gesamthaft 100 Millionen Euro, die im Feuer standen.»
Der russische Markt mache noch rund 20 Prozent des Unternehmensumsatzes aus. Ein sofortiger Rückzug hätte Arbeitsplätze gefährdet und Lieferketten zerstört. Die Tafel Ritter Sport kostet in Russland inzwischen rund 200 Rubel – umgerechnet etwa 2,25 Euro. Gewinne werden kaum noch erzielt. Doch Ronken betont: Ein Ausstieg wäre vergleichbar mit einem China-Rückzug der deutschen Autoindustrie.