Die Experten haben in den vergangenen Jahrzehnten die Bevölkerungsentwicklung der Schweiz stets zu tief prognostiziert. Der Grund: Sie unterschätzten die Attraktivität des Landes. Kein Wunder, denn viele von ihnen sind überzeugt, dass die Eidgenossenschaft nichts Besonderes sei – ein Land wie jedes andere. Sie haben nie verstanden, dass der kleine Flecken zwischen Bodensee und Lac Léman nach wie vor ein Sehnsuchtsort ist: mit hoher Lebensqualität, wirtschaftlichem Erfolg und Frieden. Entsprechend stieg die Einwohnerzahl seit 1990 um mehr als 30 Prozent auf 9,1 Millionen an.
Peter Schneider/Keystone
Jetzt versucht dieses Lager erneut, mit allen Mitteln die Initiative der SVP zur Steuerung der Zuwanderung zu bekämpfen. Von «Chaos» ist die Rede – von der FDP bis zu Rot-Grün –, wenn über dieses Anliegen gesprochen wird. Und wieder erhalten sie volle Unterstützung von Experten und Medien, also jenem Personal, das sich in den vergangenen Jahren total verrechnet hat.
Im Tages-Anzeiger heisst es nun, die SVP wolle die 10-Millionen-Schweiz an der Urne verhindern. «Aktuelle Daten zeigen jedoch, dass diese Marke womöglich gar nie erreicht wird.»
Für den Stimmbürger kann das nur eines heissen: Er kann dem Volksbegehren am 14. Juni ohne Bedenken zustimmen. Denn offenbar sind jene Experten, die gegen das Anliegen sind, der Ansicht, dass die Zuwanderung in den nächsten Jahren abnehmen wird. Vielleicht liegen sie ja diesmal richtig. Dann erledigt sich das Thema von selbst. Wenn nicht, hätte der Bund immerhin ein Instrument dafür in der Hand, die Zuwanderung zu steuern.