Der Krieg in der Ukraine dauert seit dem 11. Juni nun offiziell länger als der Erste Weltkrieg. Darauf weist das britische Magazin The Economist hin und zieht Parallelen zwischen dem heutigen Konflikt und den Erfahrungen Europas nach 1918. Die wichtigste Lehre aus dem Versailler Frieden sei für den Economist, dass ein Waffenstillstand allein keinen dauerhaften Frieden garantiere.
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Nach 1.568 Tagen nahezu ununterbrochener Kämpfe zeichnet sich weiterhin keine politische Lösung ab. Zwar habe sich die militärische Lage zuletzt teilweise zugunsten der Ukraine entwickelt, schreibt das Magazin. Russische Geländegewinne würden stellenweise zurückgedrängt, ukrainische Drohnen erreichten Ziele tief im russischen Hinterland, und die Europäische Union bereite neue Finanzhilfen in Höhe von 90 Milliarden Euro vor. Gleichzeitig blieben ernsthafte Friedensverhandlungen aus.
The Economist erwartet, dass ein künftiges Friedensabkommen weder für Russland noch für die Ukraine einen klaren Sieg bedeuten wird. Anders als nach dem Ersten Weltkrieg werde Moskau nicht als besiegte Macht am Verhandlungstisch sitzen. Reparationszahlungen oder internationale Strafverfahren gegen die russische Führung seien deshalb wenig wahrscheinlich. Vielmehr dürfte eine Einigung von Kompromissen geprägt sein, die beide Seiten nur widerwillig akzeptieren.