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Ukraine bestattet umstrittenen Nationalistenführer

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Ukraine bestattet umstrittenen Nationalistenführer
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Die Ukraine hat die sterblichen Überreste des umstrittenen Nationalistenführers Andrij Melnyk auf einem neuen Nationalfriedhof nahe Kiew beigesetzt und die Zeremonie demonstrativ mit patriotischen Botschaften begleitet, berichtet der Sender Euronews. Präsident Wolodymyr Selenskyj nahm persönlich an der Gedenkfeier teil. Die Urnen Melnyks und seiner Ehefrau Sofiia Fedak-Melnyk waren zuvor in Luxemburg exhumiert und in die Ukraine überführt worden.

Ukraine bestattet umstrittenen Nationalistenführer

Die Beisetzung fand auf dem neu geschaffenen Nationalen Militärfriedhof in der Region Kiew statt, der nach dem Vorbild des Arlington National Cemetery in den USA aufgebaut wurde. Dort werden seit vergangenem Jahr ukrainische Soldaten bestattet, die im Krieg gegen Russland gefallen sind.

Selenskyj nutzte die Zeremonie für politische Botschaften zur nationalen Einheit. «Heute sehen wir alle, dass die ukrainische Idee das überwinden kann, was einst völlig unüberwindbar schien», erklärte der Präsident. Weiter sagte er: «Es gab keinen Zweifel daran, wer der wahre Feind der Ukraine ist – und wer ihre Freunde, Partner und Brüder sind.»

Die Ehrung Melnyks ist historisch und politisch heikel. Der 1890 geborene Nationalistenführer war Oberst der Armee der Ukrainischen Volksrepublik und später eine Schlüsselfigur der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN). Nach der Ermordung des OUN-Mitbegründers Jewhen Konowalez durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD übernahm Melnyk 1938 die Führung eines Teils der Bewegung. Die Organisation spaltete sich danach in die von Melnyk geführte OUN-M und die radikalere OUN-B unter Stepan Bandera.

Beide Gruppierungen sind bis heute umstritten, weil sie im Zweiten Weltkrieg zeitweise mit NS-Deutschland kooperierten. Ziel war damals die Schaffung eines unabhängigen ukrainischen Staates im Kampf gegen die sowjetische Herrschaft. Das nationalsozialistische Regime lehnte jedoch ukrainische Unabhängigkeitsbestrebungen ab und ging später gegen Teile der Bewegung vor. Melnyk wurde zunächst unter Hausarrest gestellt und anschliessend in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert.

Nach dem Krieg lebte Melnyk im Exil in Deutschland. Er starb 1964 und wurde in Luxemburg beigesetzt.

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