Die EU will mit einem Grossprojekt im KI-Bereich den technologischen Rückstand aufholen und dafür rund 20 Milliarden Euro in eigene Mega-Rechenzentren investieren – obwohl unklar ist, ob es in Europa genügend Nachfrage für diese Kapazitäten gibt.
Geplant sind vier bis fünf sogenannte Gigafactorys mit jeweils rund 100.000 Spezialchips. Sie sollen die Entwicklung leistungsstarker KI-Modelle ermöglichen und Europa näher an die USA und China heranführen. Dort laufen jedoch bereits Programme in deutlich grösserem Umfang, etwa das 500-Milliarden-Dollar-Projekt «Stargate» von Open AI. Gleichzeitig gilt Europa nicht zuletzt wegen eines starken Fokus auf Regulierung statt auf industrielle Skalierung als Nachzügler im KI-Geschäft.
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Vor diesem Hintergrund wächst die Kritik am Projekt. Fachleute und Politiker bezweifeln, dass die geplanten Anlagen überhaupt ausgelastet werden können. Der deutsche EU-Abgeordnete Sergey Lagodinsky sagte laut Politico: «Niemand konnte mir erklären, was das Geschäftsmodell hinter diesen Gigafabriken ist.» Und weiter: «Ich habe mit einigen gesprochen, die sagen: ‹Wir brauchen einfach mehr Rechenleistung in Europa.› Aber wenn ich frage: ‹Wofür?›, sagen sie: ‹Das spielt keine Rolle, wir brauchen einfach mehr Rechenleistung.›»
Die Europäische Kommission widerspricht und verweist auf strategische Ziele. Europa müsse eigene Infrastruktur aufbauen, um unabhängiger zu werden. «Es geht nicht nur um rohe Rechenleistung, sondern um souveräne Rechenkapazität», sagte Sprecher Thomas Regnier gemäss Politico.
Dennoch bleiben zentrale Fragen offen. Es gibt bislang nur wenige europäische Unternehmen, die Rechenleistung in dieser Grössenordnung benötigen. Gleichzeitig bleibt die EU bei Schlüsseltechnologie abhängig, etwa von US-Chipherstellern wie Nvidia. Ob die Milliardeninvestition tatsächlich eine eigenständige KI-Industrie stärkt oder vor allem teure Überkapazitäten schafft, dürfte sich erst mit dem geplanten Start der Projekte im Frühjahr zeigen.