Der Irak reagiert auf die Blockade der Strasse von Hormus mit einer grossangelegten Ausweichroute über Syrien. Nach Angaben syrischer und irakischer Stellen transportieren inzwischen Hunderte Tanklastwagen täglich Öl ans Mittelmeer. Ziel ist vor allem der syrische Hafen Baniyas, von wo aus das Öl per Schiff weiterexportiert wird.
Omar Sanadiki/AP/Keystone
Auslöser ist die massive Störung des Schiffsverkehrs im Persischen Golf infolge des Nahost-Kriegs. Die Strasse von Hormus gilt als eine der wichtigsten Energie-Handelsrouten der Welt. Seit der Eskalation Ende Februar kam der irakische Ölexport zeitweise nahezu zum Erliegen. Die Lagerbestände leerten sich rasch, die Förderung musste teilweise gestoppt werden.
Bereits Anfang April hatte Bagdad angekündigt, verstärkt auf Landtransporte durch Syrien zu setzen. Nach Angaben aus Damaskus wurde Mitte April der erste Tanker mit rund 500.000 Tonnen irakischem Öl im Hafen von Baniyas beladen. Grundlage ist ein Abkommen zwischen Syrien und dem Irak: Syrien darf einen Teil des Öls für die eigene Stromversorgung behalten, der Rest wird exportiert.
Der Irak ist massiv vom Ölgeschäft abhängig. Rund 90 Prozent der Staatseinnahmen stammen aus dem Export fossiler Energieträger. Vor Beginn der Krise verschiffte das Land täglich etwa 3,5 Millionen Barrel Öl über den Golf. Inzwischen nutzt Bagdad zusätzlich wieder die Pipeline durch Kurdistan zum türkischen Hafen Ceyhan. Dort sollen derzeit bis zu 250.000 Barrel pro Tag transportiert werden.
Auch Saudi-Arabien reagiert mit Notmassnahmen auf die blockierte Seeroute. Laut Berichten organisierte der staatliche Bergbaukonzern Maaden innerhalb weniger Wochen eine riesige LKW-Flotte für den Transport von Düngemitteln quer durchs Land. Inzwischen seien täglich rund 3500 Lastwagen zwischen Persischem Golf und Rotem Meer unterwegs. Die Transporte könnten den Schiffsverkehr zwar nicht ersetzen, sollten aber Engpässe auf dem Weltmarkt und eine drohende Lebensmittelkrise abmildern.