SVP-Präsident Marcel Dettling weibelt für die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz». Die Urner Mitte-Ständerätin Heidi Z’graggen nimmt die massive Bautätigkeit besorgt zur Kenntnis. Der frühere SP-Nationalrat Rudolf Strahm kritisiert seine eigene Partei in der NZZ für deren lasche Asylpolitik.
Die linke Wochenzeitung (Woz) wollte das so nicht stehen lassen und setzte ihr bestes Rechercheteam auf die Sache an. Oder besser: Co-Redaktionsleiter Kaspar Surber besuchte die Website Google Maps.
Alessandro della Valle/Keystone
Mit deren Hilfe fand er Folgendes heraus: «Heidi Z’graggen ist in einem Chalet ausserhalb von Erstfeld zu Hause, Marcel Dettling bewirtschaftet einen Bauernhof in Oberiberg, und Rudolf Strahm wohnt am Waldrand in Herrenschwanden», berichtet Surber. Und bilanziert: «Lauter schöne Wohnsitze an ruhiger Lage.»
Die These der Woz: Solche privilegierten Leute können nicht ernsthaft über den Dichtestress in den Zentren und an Bahnhöfen sprechen, weil sie diesen gar nicht selbst erleben.
Mal abgesehen davon, dass die drei sich vermutlich auch gelegentlich in Städten aufhalten oder Zug fahren: Seit wann dürfen sich Politiker nur zu Dingen äussern, die sie direkt betreffen? Wäre das nicht das Gegenteil einer Politik für die Allgemeinheit – und leicht egoistisch?
Dazu kommt, dass die linke Zeitung ihre These zumindest auch aufs eigene Lager ausweiten sollte.
SP-Co-Präsident Cédric Wermuth spricht gern und oft über die Nöte der kleinen Arbeiter, hat mit denen aber nicht das Geringste gemeinsam. SP-Nationalrätin Jacqueline Badran spielt den Vermieterschreck zugunsten von Mietern in beengten Verhältnissen, residiert bekanntlich aber mit ihrem Mann auf einer Wohnfläche, die weit über den durchschnittlichen Pro-Kopf-Quadratmetern in der Schweiz liegt.
Das Durchleuchten der finanziellen Lage und der Wohnsituation von linken Politikern wäre vermutlich weit ergiebiger. Denn nirgends wird mehr Wasser gepredigt und Wein getrunken.