Nach den schweren russischen Raketenangriffen auf Kiew hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dem Westen indirekt Versagen bei der Durchsetzung der Sanktionen gegen Moskau vorgeworfen. In seiner abendlichen Videobotschaft erklärte Selenskyj, Russland habe bei den jüngsten Angriffen Raketen eingesetzt, die erst in diesem Jahr hergestellt worden seien. «Ohne Komponenten von Unternehmen aus Europa, Japan und den Vereinigten Staaten hätten die Russen diese Raketen einfach nicht herstellen können», sagte Selenskyj. Gleiches gelte für zahlreiche weitere Waffen, die Russland bei Angriffen auf ukrainische Städte einsetze. Der ukrainische Präsident forderte deshalb eine konsequentere Kontrolle der Techniksanktionen gegen Russland.
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Hintergrund sind massive russische Luftangriffe auf die ukrainische Hauptstadt in den vergangenen Tagen. Nach ukrainischen Angaben wurden dabei mehr als 675 Drohnen sowie 56 Raketen eingesetzt. Besonders schwer traf ein Raketenschlag ein Wohngebäude in Kiew, das laut Selenskyj praktisch «dem Erdboden gleichgemacht» worden sei. Nach Behördenangaben kamen mindestens 24 Menschen ums Leben.
Selenskyj warnte zudem vor den globalen Folgen der russischen Kriegsführung. «Russlands Verbindungen zur Welt, die dem Krieg dienen, sind eine direkte Bedrohung für das Leben», erklärte er. Russlands Vorgehen habe sich bereits in Syrien und in afrikanischen Staaten gezeigt. Sollte Moskaus Kriegsmaschinerie nicht gestoppt werden, könnten künftig auch weitere Regionen Europas bedroht sein.
Parallel dazu meldeten beide Kriegsparteien neue Drohnenangriffe. In der russischen Grenzregion Belgorod wurde nach Behördenangaben ein Mensch bei einem ukrainischen Angriff getötet. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA äusserte sich zudem besorgt über zunehmende militärische Aktivitäten nahe ukrainischer Atomanlagen.