Die Ukraine ist nach Einschätzung von Präsident Wolodymyr Selenskyj militärisch stärker als zu Beginn des russischen Angriffskriegs, verfügt aber weiterhin nicht über die Mittel, Russland entscheidend aufzuhalten. Das sagte Selenskyj in einem Interview mit Sky News.
«Wir sind so stark geworden, wie wir heute sind – aber nicht stark genug, um Putin zu stoppen», sagte der ukrainische Präsident. Die Ukraine habe ihre eigene Rüstungsproduktion in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut und stelle heute unter anderem mehr Drohnen und Raketen selbst her. Gleichzeitig habe Kiew seine Angriffe auf Ziele tief im russischen Hinterland ausgeweitet. «Wir wollen, dass auch die Russen die Folgen des Krieges spüren. Deshalb haben wir mit unseren Langstreckenangriffen begonnen – als Antwort auf die russischen Angriffe», sagte Selenskyj.
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Nach Angaben Selenskyjs griff die Ukraine in der Nacht erneut russische Rüstungs-, Energie- und Logistikziele an. Betroffen gewesen seien unter anderem ein Betrieb zur Herstellung von Waffenteilen in der Region Kirow, eine Raffinerie in Tjumen, ein Logistikzentrum in Jekaterinburg sowie ein Treibstofflager in Rostow am Don. Zudem hat die Ukraine nach seinen Angaben erstmals auch Schiffe im Kaspischen Meer angegriffen. Darunter seien ein Kriegsschiff sowie Schiffe gewesen, die Militärgüter aus dem Iran transportierten. Selenskyj bezeichnete die Angriffe als «Langstreckensanktionen» gegen Russland.
Der Präsident forderte die westlichen Verbündeten erneut zu einer stärkeren Unterstützung auf. Die Sanktionen gegen Russland müssten verschärft und zusätzliche Flugabwehrsysteme geliefert werden. Besonders dringend benötige die Ukraine weitere Patriot-Systeme und Abfangraketen. Zudem warnte Selenskyj vor einer engeren militärischen Zusammenarbeit Russlands mit Nordkorea, China und dem Iran. Seine Angaben zu den jüngsten Angriffen und deren Wirkung liessen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.