Der Stellenabbau in der deutschen Industrie setzt sich trotz leicht steigender Umsätze fort. Nach einer neuen Analyse des Beratungsunternehmens EY lag die Zahl der Beschäftigten im ersten Quartal 2026 um 127.300 Stellen oder 2,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Seit 2019 gingen damit insgesamt rund 341.500 Industriearbeitsplätze verloren – mehr als jeder siebzehnte Job in der Branche ist verschwunden, berichtet die Welt.
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Besonders hart trifft die Entwicklung die Automobilindustrie. Dort wurden seit 2019 laut der Studie rund 125.800 Stellen gestrichen. Allein in den vergangenen zwölf Monaten verlor die Branche weitere 32.000 Arbeitsplätze. Prozentual noch stärker fiel der Rückgang in der Textilindustrie aus, wo seit 2019 rund 22 Prozent der Stellen weggefallen sind. Auch die Metallindustrie verzeichnet deutliche Einbussen.
Zwar stiegen die Umsätze der Industrie im ersten Quartal 2026 erstmals seit rund drei Jahren wieder leicht an. EY beziffert das Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 1,7 Prozent. Der Anstieg wird allerdings fast ausschliesslich von der Metallindustrie getragen. Viele andere Branchen befänden sich weiterhin «im Rückwärtsgang», sagte EY-Experte Jan Brorhilker. Nach zehn Quartalen mit Umsatzrückgängen gehe die Krise inzwischen «an die Substanz».
Die bisherigen Massnahmen der Bundesregierung zur Unterstützung des Industriestandorts greifen laut der Analyse bislang kaum. Instrumente wie ein vergünstigter Industriestrompreis oder niedrigere Unternehmenssteuern würden erst später Wirkung entfalten. Gleichzeitig belasten geopolitische Konflikte, Handelsstreitigkeiten und wachsender Protektionismus die exportorientierte deutsche Industrie zusätzlich. In vielen Unternehmen fehle inzwischen das Vertrauen in den Standort Deutschland.
Nur wenige Branchen stemmen sich gegen den Trend. In der Chemie- und Pharmaindustrie stieg die Beschäftigung seit 2019 um 3 Prozent, in der Elektroindustrie um 2 Prozent. Insgesamt rechnet EY jedoch mit weiteren Stellenverlusten. Viele Unternehmen litten unter Überkapazitäten und unausgelasteten Werken. Deshalb stünden zunehmend nicht mehr nur Sparprogramme, sondern auch Werksschliessungen zur Diskussion.