In einem Interview mit dem Tages-Anzeiger bezieht SRF-Kultkommentator Sascha Ruefer an der Fussball-WM Stellung zu seinen Kritikern und der Nationalmannschaft.
Der erfahrene Journalist, der bereits seine siebte Weltmeisterschaft erlebt, spricht offen über den massiven Druck der sozialen Medien. Das ungefilterte Feedback habe ihm 2014 in Brasilien enorm wehgetan, weshalb er auf Anraten seines Chefs einen Coach aufsuchte.
© KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Seine damalige Reaktion war provokant: «Nicht ich muss zu einem Coach, sondern all die Trolle.» Heute sieht er sich gelassener als «Blitzableiter» der Nation, bemängelt jedoch die sprachliche Überempfindlichkeit der Gesellschaft. Früher habe er lockerer formuliert; heute würde er ältere Menschen wohl nicht mehr als «Corega-Tabs-Fraktion» bezeichnen, wie er es 1998 tat.
Besonders brisant ist sein Verhältnis zu Kapitän Granit Xhaka. Nach früheren Kontroversen – Ruefer bezeichnete Xhakas Doppeladler-Jubel 2018 als «dumm und dämlich» – sei der Umgang heute zwar «hochprofessionell». Es habe im Vorfeld jedoch eine diskrete Aussprache unter vier Augen zusammen mit Nationaltrainer Murat Yakin und dem Pressechef gebraucht.
Auch über diesen äussert sich Ruefer. Der Trainer habe sich seit dem bitteren 1:6 gegen Portugal gewandelt und agiere gelassener. Dennoch bleibe er unberechenbar: «Keiner weiss, wie Murat Yakin tickt.» Ruefer kritisiert offen Yakins personelle Experimente wie das Aufstellen von drei verschiedenen Rechtsverteidigern in der Gruppenphase. Diese Wechsel hätten «nie Beruhigung gebracht, sondern meistens eher Unruhe».
Kritik übt Ruefer auch am XXL-Format in Nordamerika: Drei Gastgeberländer seien schlicht «zu viel», echtes WM-Feeling komme abseits der Stadien kaum auf – mit Ausnahme von Mexiko.
Für das Schweizer Team ist er dennoch euphorisch: «Das ist für mich das beste Schweizer Nationalteam, das je an einer Endrunde dabei war.» Er traue der Mannschaft die beste WM ihrer Geschichte zu.
Eine Würdigung von Sascha Ruefer sehen Sie hier in diesem Gespräch: