Es gibt in der Schweizer Medienbranche kaum eine Journalistin oder einen Journalisten, der noch nie mit Roger Schawinski zu tun hatte. Und jede oder jeder hat eine Meinung über ihn. Für die einen ist Schawinski der Messias der Medienfreiheit und ein weitsichtiger Erfolgsunternehmer, für die anderen ein penetranter Besserwisser, der sich selber überhöht und nicht loslassen kann.
© KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
Fakt ist aber: Ohne Roger Schawinski wäre die Schweizer Medienwelt eine andere – ärmer und weit weniger pointiert. Dass der Zürcher Arbeitersohn mit dem «Kassensturz» eines der langlebigsten Formate im Schweizer Fernsehen erfand, war nur der Anfang. Danach stellte er mit Radio 24 die Welt der elektronischen Medien auf den Kopf – und lancierte mit Tele Züri das erste Privat-TV des Landes.
Schawinskis Projekte belebten das Geschäft auf mehreren Ebenen – sie hielten der SRG den Spiegel vor Augen und machten dem Staatsfunk klar, dass es einen freien Markt gibt (und braucht). Gleichzeitig schuf Schawinski die grösste Talentschmiede des Landes. Es gibt in der Schweiz kaum eine arrivierte Radio- und TV-Persönlichkeit, die nicht durch seine Schule gegangen wäre.
Dies macht auch der Blick auf die Gästeliste der Geburtstagsparty von heute Abend klar. Mit (unter anderem) Frank Baumann, Röbi Koller, Roman Kilchsperger oder Filippo Leutenegger werden Persönlichkeiten den Jubilar beehren, die das Schweizer Fernsehen in den vergangenen dreissig Jahren geprägt haben.
Wer je das Vergnügen hatte, unter dem ewigen Radiopiraten zu arbeiten, weiss genau: Der Mann fordert, aber er fördert. Und er ist ein grandioser Motivator. Hätten die Grasshoppers einen ähnlich starken Trainer, der Meistertitel im Fussball wäre auf Jahre hinaus vergeben.
Was viele nicht wissen: Schawinski besitzt eine sehr soziale Ader. Er stärkt die Schwachen und kämpft gegen die Mächtigen. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Und auch wenn er damit gelegentlich den einen oder die andere vor den Kopf gestossen hat, sei ihm dies heute verziehen.
Heute gilt es das Glas zu heben – und eine aussergewöhnliche Persönlichkeit der Schweizer Medien zu ehren. Lieber Roger, ad multos annos! Auf die nächsten achtzig Jahre.