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Rede und Gegenrede: Weltwoche-Chef Roger Köppel stellt sich den Studenten der Uni Zürich – und antwortet auf Kritik. Und Antifa-Störer werden nicht von Köppel, sondern jungen Besuchern abgekanzelt

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Rede und Gegenrede: Weltwoche-Chef Roger Köppel stellt sich den Studenten der Uni Zürich – und antwortet auf Kritik. Und Antifa-Störer werden nicht von Köppel, sondern jungen Besuchern abgekanzelt
Rede und Gegenrede: Weltwoche-Chef Roger Köppel stellt sich den Studenten der Uni Zürich – und antwortet auf Kritik. Und Antifa-Störer werden nicht von Köppel, sondern jungen Besuchern abgekanzelt
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Um 11.20 Uhr füllt sich der Platz vor der Universität Zürich langsam. Studenten stehen in kleinen Gruppen beisammen, daneben Besucher, Medienleute, Neugierige. Zehn Minuten später beginnt «Köppel auf dem Campus», ein offenes Debattenformat mit Roger Köppel. Der Weltwoche-Verleger und -Chefredaktor erklärt zu Beginn, wie es zu dieser Veranstaltung gekommen sei: Die Ermordung des amerikanischen Aktivisten Charlie Kirk habe ihn dazu bewogen, die Debatte an den Universitäten zu suchen. Streitkultur müsse gepflegt werden. Gerade die Universität müsse eigentlich jener Ort sein, an dem Meinungsvielfalt am grössten sei. Ob das noch so sei, werde man nun herausfinden, so Köppel.

Joan Meier für die Weltwoche
Rede und Gegenrede: Weltwoche-Chef Roger Köppel stellt sich den Studenten der Uni Zürich – und antwortet auf Kritik. Und Antifa-Störer werden nicht von Köppel, sondern jungen Besuchern abgekanzelt
Joan Meier für die Weltwoche

Das Format ist einfach: Köppel steht vorne, die Anwesenden können ans Mikrofon treten, Fragen stellen, widersprechen, angreifen. Rund 300 Personen verfolgten die Veranstaltung. Zunächst ist die Stimmung friedlich. Doch die Ruhe hält nicht lange. Knapp zehn Minuten nach Beginn taucht eine kleine, mutmasslich zur Antifa gehörende Gruppe auf. Rund elf Personen, teils mit Schutzmasken, stellen sich dazu. Einige wenige klatschen mit. Bald sind Parolen zu hören: «Kein Bock auf Nazi-Propaganda», «Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda». Als Köppel fragt, wie sie Nazi definierten, ruft jemand: «Du bist ein Nazi». Später wird ein Transparent mit der Aufschrift «UZH nazifrei» hochgehalten.

Mit Trillerpfeifen stören die Aktivisten die Veranstaltung. Köppel spricht die Gruppe direkt an: «Die Gruppe hat immer wieder über Respekt gesprochen – und stellt sich hier wie Bodyguards vor die Mikrofone.» An anderer Stelle warnt er: «Die Schweiz muss ihre freie Rede bewahren.» Wenn eine Diskussion mit Trillerpfeifen und Buhrufen verhindert werden solle, sei das gefährlich für die Demokratie.

Trotz der Störungen entsteht über weite Strecken eine echte Debatte. Eine queere Studentin tritt ans Mikrofon und fragt: «Flood the zone with shit» – sei das das, was die Weltwoche mache? Köppel reagiert selbstironisch: «Ich hoffe es nicht.» Eine junge Frau aus Bern will wissen: «Sprechen sie mit allen? Gibt es Menschen, denen man keine Plattform geben sollte?» Köppel antwortet: «Ich spreche mit allen. Glauben Sie nicht, dass der Dialog der richtige Weg ist, um in einer Demokratie voranzukommen?» Totalitäre Gruppierungen gebe es heute von links und von rechts.

Die Fragen gehen in viele Richtungen. Es geht um Wahrheit, Experten, Klima, Migration, Diskriminierung, Cannabis-Legalisierung und Gewalt gegen Frauen. Eine junge Frau fragt Köppel, ob er Charlie Kirk und dessen Aussagen kenne und weshalb er nicht auch auf getötete Demonstranten gegen ICE verweise. Köppel antwortet sinngemäss, keine Aussage Kirks rechtfertige einen Mord. Verfehlungen von ICE müssten strafrechtlich abgeklärt werden.

Beim Thema Gewalt gegen Frauen sagt Köppel: «Die Journalisten sprechen die Ursachen nicht an – die Migrationspolitik.» Er verweist auf Afghanistan, wo er mit Politikern über Frauenpolitik gesprochen habe, und spricht von mittelalterlichen Strukturen. Zugleich plädiert er in Fällen sexueller Übergriffe für eine präzise, rechtsstaatliche Justiz.

Ein Student fragt später, weshalb Köppel autokratische Regime «glorifiziere». In Russland sei die Meinungsfreiheit eingeschränkt. Wenn man einem Politiker wie Putin unterstelle, so Köppel, er wolle einen grossflächigen Krieg, sei das ein schwerer Vorwurf. Dann sagt er: «Ich muss diese Meinung herausfordern. Ich bin der Pflichtverteidiger der Verfemten und Verdammten.» Und weiter: «‹Mit Putin darf man nicht reden.› […] Da sage ich nein, wir müssen reden und versuchen, einen Frieden zustande zu bringen.»

Gegen Ende wird Köppel «Hass und Hetze» vorgeworfen, auch ein Nazi-Vergleich fällt. Köppel weist den Vorwurf entschieden zurück. Zum Schluss meldet sich eine Deutschlehrerin. Plötzlich wird es ruhiger, auch die Antifa verstummt. Sie sagt, «Ich habe Kinder aus verschiedenen Kulturen unterrichtet – ich liebe sie alle gleich», und schildert die Angst von Kindern, ausgeschafft zu werden. Köppel antwortet: «Ich bin ein Verfechter unserer traditionellen Asylpolitik.» Dann fügt er an: «Wir haben Familien aufgenommen, die Wurzeln geschlagen haben – und die wir nicht hätten aufnehmen sollen.»

Die Diskussion endet nach zwei Stunden mit Beifall.

Mehrere Studenten gingen nach der offiziellen Debatte auf die Antifa-Aktivisten zu und kritisieren deren Vorgehen. Eine vermummte Aktivistin sagt, Köppel hätte keine Plattform bekommen dürfen. Ein Student entgegnet: «Ihr masst euch an, darüber zu entscheiden, wer seine Meinung hören darf und wer nicht. Ich hätte sie gerne gehört. […] Ich finde das etwas respektlos.»

Ein Aktivist sagt: «Seine Meinung ist keine Meinung, sie ist Hass und brandgefährlich.» Der Student hält dagegen: «Ja, aber es gibt auch Meinungen vom linken Spektrum, die ich als Hass interpretiere».

Ein vermummter Demonstrant rechtfertigt die Störungen damit, Köppel habe eine Kamera, nehme den Ton auf und könne das Material verändern, wie er wolle. Ein anderer Student sagt: «Das, was ich hier gehört habe, fand ich normal …» Der Aktivist fällt ihm ins Wort: «Und das finde ich eben gefährlich.» Er behauptet, dass sich der Diskurs in den letzten zwanzig Jahren nach rechts verschoben habe.

Die Veranstaltung endet mit einem positiven Fazit: Viele Studenten verteidigen die Streitkultur. Rede und Gegenrede. Wer entscheidet eigentlich, welche Meinung noch gehört werden darf? Die Debatte ist eröffnet – zumindest auf dem Campus.

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