Rechenkünstler Zimmi: Zu viel Häme ist fehl am Platz. Aber ein bisschen muss schon sein
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Rechenkünstler Zimmi: Zu viel Häme ist fehl am Platz. Aber ein bisschen muss schon sein

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Dieser Text erschien erstmals auf dem Onlineportal Zackbum.ch.

«Denn als einziger Journalist in Westeuropa kann ich rechnen.» Ein kühner Satz. Ein arroganter Satz. Ein Satz, der zwei Möglichkeiten liess. Entweder, Kurt W. Zimmermann, der aus persönlichen Gründen meint, Ungarn besser als die meisten anderen zu verstehen, kann das grosse Triumphgeheul anstimmen.

Rechenkünstler Zimmi: Zu viel Häme ist fehl am Platz. Aber ein bisschen muss schon sein

Oder aber, er muss sämtliche verbalen Register ziehen, um mit einer Mischung aus gesenktem Kopf und trotzigem «Wer nicht wagt, der nicht verliert»-Gestus einzugestehen, dass er sich verrechnet hat.

Und zwar nicht um ein hauchdünnes Weniges. Die Sitzverteilung im ungarischen Parlament sieht wohl so aus: Die Opposition hat 138 Mandate, Viktor Orbán 55. Das nennt man einen Erdrutsch, einen Kantersieg, eine Gewalts-Niederlage.

Orbán hat bereits seine Niederlage eingestanden und verlegt sich auf Durchhalteparolen: «Wir geben nicht auf, nie, nie.»

Wie kam nun Zimmermann zu seiner Fehlanalyse, mit der er allerdings in der besten Tradition der Weltwoche («la crise n’existe pas») steht?

Das Schicksal des Geisterfahrers, der die Warnmeldung im Autoradio hört und sagt: Einer? Hunderte – das hat ihn wohl nicht irritiert.

Wegen der üblichen Mischung aus Arroganz und Besserwisserei, mit der die meisten Journalisten zwei Wahlsiege von Trump nicht wahrhaben und anschliessend ihn wegschreiben wollten.

«All die Journalisten, die sich mit ihren Wahlprognosen auf Umfragen stützen, haben indessen keine Ahnung vom ungarischen Wahlsystem.» Das mag durchaus sein, nur: Recht hatten sie trotzdem.

Rechenkünstler Zimmermann meinte hingegen: «Erster Teil also: 63 bis 65 Direktmandate für Orbáns Partei.» Nicht mal das stimmt. Plus: «Bei der Listenwahl kommt die Fidesz damit auf 37 oder 38 Mandate.» Macht nach Adam Riese und nach Kurt W. Zimmermann 100 Abgeordnete in einem Parlament mit 199 Sitzen. Et voilà.

Da bleibt nur noch die Schadenfreude, dass der Wahlsieger schliesslich unter Getöse aus Orbáns Partei ausgestiegen ist und wohl charakterlich und von der Prinzipientreue her seinem Gegner nicht nachsteht.

Worauf basiert Zimmermann seine singuläre Position? «Ich habe mit meiner ungarischen Frau viele Jahre in Budapest gelebt. Ich bilde mir deshalb ein, ein bisschen etwas von Ungarn zu verstehen.»

Da möchte Zackbum-Redaktor René Zeyer ihm ein kleines Geständnis mit auf den Weg geben. Er hat viele Jahre mit seiner kubanischen Frau in Kuba gelebt. Das hat dafür ausgereicht, dass er sicher weiss, dass er keine Ahnung hat, wie die Kubaner ticken, was sie antreibt, wie sie funktionieren, wie sie das immer dysfunktionaler werdende Regime weiter ertragen.

Auf die banale Frage, wie viele der compañeros denn die Revolution bis zum heutigen Tag unterstützen, kann die richtige Antwort nur sein: Das weiss niemand. Das Regime weiss es nicht, kein Ausländer weiss es, nicht einmal die Kubaner selbst wissen es.

Bevor wir den armen Zimmi in seinem Elend ruhen lassen: «Wenn ich richtig liege, dann schenke ich mir ein Glas Kreinbacher Egoïste brut ein.»

Da kann man nur sagen: Hoch die Flasche …

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