Der reformierte Theologe Christoph Sigrist fordert ein stärkeres politisches Engagement der Kirchen in gesellschaftlichen Fragen, insbesondere bei der Migration. Dies berichtet der Blick. Der frühere Grossmünster-Pfarrer betont, die Kirche könne nicht unpolitisch sein, da Gott Partei für die Schwächsten ergreife.
Die Landeskirchen haben zur Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» keine Abstimmungsparole abgegeben. In Sigrists Funktion als Präsident der Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz (GMS) engagiert er sich gemeinsam mit der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) gegen fremdenfeindliche Tendenzen. Für ihn sei klar: «Wenn Minderheiten diskriminiert oder Schutzsuchenden der Zugang verwehrt wird, müssen nicht nur GMS und GRA, sondern auch kirchliche Verantwortungsträger Position ergreifen.» Er fordert, dass die Kirche als «prophetische Wächterin» Missstände klar benenne.
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Sigrist warnt vor historischen Parallelen in der aktuellen Migrationsdebatte. Er erkennt in bestimmten Argumentationsmustern Ähnlichkeiten mit Parolen wie «Das Boot ist voll», die während des Zweiten Weltkriegs zur Rechtfertigung einer restriktiven Flüchtlingspolitik dienten. Bereits damals hätten kirchliche Stimmen dagegen protestiert.
Gleichzeitig grenzt Sigrist die Form des Engagements ab. Konkrete Abstimmungsparolen gehörten nicht auf die Kanzel. Theologische Stimmen müssten jedoch in die gesellschaftliche Debatte eingebracht werden.