Die Zahl politisch motivierter Straftaten in Deutschland ist im vergangenen Jahr laut der Welt am Sonntag auf mindestens 85.000 Fälle gestiegen. Damit wurde der bisherige Höchststand aus dem Jahr 2024 mit 84.172 Delikten erneut übertroffen.
Rheinland-Pfalz lieferte wegen Verzögerungen nach den Landtagswahlen und dem Wechsel des Innenministers noch keine Daten. Nach Einschätzung der Zeitung verändert dies den bundesweiten Trend jedoch nicht. Die Zahl politisch motivierter Straftaten hat sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Ermittler führen die Entwicklung unter anderem auf den polarisierten Bundestagswahlkampf 2025, internationale Krisen wie den Nahost-Konflikt sowie eine gestiegene Anzeigebereitschaft zurück.
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Die Zahl politisch motivierter Gewalttaten stieg um 1,2 Prozent auf 4156 Fälle. Dazu zählen Körperverletzungen, Brand- und Sprengstoffdelikte sowie Landfriedensbruch. Nach den Angaben richteten sich 121 Angriffe gegen Funktionäre und Mitglieder der AfD, während 62 Angriffe Vertreter anderer Parteien betrafen. In 103 Fällen vermuteten die Behörden Täter aus dem linksextremen Spektrum.
Rund die Hälfte aller politisch motivierten Straftaten ordnen die Ermittler dem rechten Spektrum zu. Das entspricht mehr als 42.000 Delikten. Die Zahl rechter Gewalttaten stieg auf 1598 Fälle. Linksextreme Straftaten nahmen laut Bericht um rund 35 Prozent auf mehr als 13.000 zu. Linksextreme Gewalttaten erhöhten sich um 42,6 Prozent auf 1087 Fälle.
Zudem ordneten die Ermittler knapp 1900 Straftaten einer «religiösen Ideologie» und mehr als 6000 Fälle einer «ausländischen Ideologie» zu. Hessens Innenminister Roman Poseck erklärte: «Besonders besorgniserregend ist die wachsende Bereitschaft, politische Auseinandersetzungen nicht mehr mit Argumenten, sondern mit Einschüchterung, Hass und Gewalt auszutragen.» Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul bezeichnete politisch motivierte Kriminalität als «keine Fussnote mehr, sondern ein Härtetest für unsere Demokratie».