Der Vorgang ist bemerkenswert. Papst Leo XIV., angetreten auf eher samtenen Sohlen, spricht zunehmend Klartext zu den grossen Fragen von Krieg und Frieden. Dabei gerät er in Opposition zu seinem amerikanischen Landsmann Donald Trump.
«Das ist inakzeptabel», sagte Leo, als Trump Anfang Woche damit drohte, die iranische «Zivilisation auszulöschen». An Ostern hatte der Papst bereits gefordert: «Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder! Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden!»
Dass sich da zwischen dem Papst und dem Präsidenten etwas zuspitzt, zeigte sich schon Anfang Jahr. Gemäss dem Portal The Free Press wurde der damalige Gesandte des Kirchenstaats in Washington, Christophe Pierre, ins Pentagon einbestellt. Dort habe er sich eine «bittere Standpauke» anhören müssen, wie auch die Bild-Zeitung berichtet. In Anspielung auf den US-Angriff in Venezuela hatte der Papst zuvor gesagt, Krieg sei wieder in Mode, und Diplomatie sei besser sei als militärische Gewalt.
Elbridge Colby, Unterstaatsekretär im Verteidigungs- beziehungsweise Kriegsministerium von Pete Hegseth, soll dem Vertreter des Vatikans die Leviten gelesen und gesagt haben, die USA hätten «die militärische Macht, weltweit zu tun, was immer sie wollen». Das Pentagon sagt dazu, die Darstellung durch The Free Press sei «völlig übertrieben und verzerrt». Das Gespräch sei «respektvoll und sachlich» gewesen.
Wie auch immer: Es zeigt sich, dass hier zwei Führerfiguren in einer Art Kulturkampf aufeinandertreffen. Trump mit seiner weltlichen Macht, Leo mit seiner jenseitigen. Dies erlaubt dem Papst, den Mächtigen den Spiegel vorzuhalten. Klug eingesetzt, und nicht im Sinne von tagespolitischen Kommentaren zu allem und jedem, kann das neue Perspektiven auf die Gegenwart eröffnen. In diesem Fall muss man sagen: Gut gebrüllt, Leo!