Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hat sich in der Debatte über die Finanzierung einer geplanten Einkommenssteuerreform für die Wiedereinführung einer Vermögenssteuer ausgesprochen. Der Deutschen Presse-Agentur erklärte er, eine Vermögenssteuer von 2 Prozent auf grosse Vermögen könne dem Staat jährlich knapp 42 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen verschaffen.
BERND VON JUTRCZENKA / KEYSTONE
Nach Ansicht Fratzschers würde dies der Bundesregierung ermöglichen, die Steuerbelastung für Arbeitnehmer und Unternehmen zu senken und zugleich einen wirtschaftlichen Impuls zu setzen. Die schwarz-rote Koalition plant ab dem 1. Januar 2027 eine Reform der Einkommenssteuer, von der insbesondere kleine und mittlere Einkommen profitieren sollen.
Fratzscher kritisierte die bestehende Steuerstruktur in Deutschland. «Es gibt kaum ein Land auf der Welt, das Arbeit stärker und gleichzeitig Vermögen geringer besteuert als Deutschland», sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Diese Schieflage schade der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, da sie Arbeitsanreize reduziere und insbesondere Menschen mit mittleren Einkommen belaste.
Als wichtigen Baustein einer Reform nennt Fratzscher den Abbau des sogenannten Mittelstandsbauchs. Die Kosten einer entsprechenden Einkommenssteuerreform beziffert er auf rund 30 Milliarden Euro pro Jahr. Eine spätere Anhebung des Spitzen- und Reichensteuersatzes könne etwa die Hälfte dieser Summe decken. Die verbleibende Finanzierungslücke von rund 15 Milliarden Euro sei nach seiner Einschätzung für den Bundeshaushalt kaum tragbar.
Deshalb müsse die Bundesregierung entweder Subventionen abbauen oder zusätzliche Einnahmequellen erschliessen. Fratzscher bezeichnete die Wiedereinführung einer Vermögenssteuer als «notwendige und ultimativ unausweichliche Option». Diese solle insbesondere Nettovermögen von mehr als 20 Millionen Euro erfassen.