Grossbritannien ist nach Einschätzung hochrangiger Militärs und Sicherheitsexperten nur unzureichend auf eine mögliche militärische Bedrohung durch Russland vorbereitet. Das berichtet die Zeitung The Sunday Times unter Berufung auf aktuelle Analysen, Militärvertreter und Regierungsquellen.
Im Zentrum der Kritik steht die britische Verteidigungsfähigkeit im Bereich moderner Drohnenkriegsführung. Während Russland nach westlichen Schätzungen jährlich bis zu 15 Millionen Drohnen produzieren kann, verfügt Grossbritannien derzeit über rund 8.000 unbemannte Systeme. Ukrainische Streitkräfte setzen im Krieg gegen Russland nach Angaben von Militärs rund 200.000 Drohnen pro Monat ein.
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Der neue Verteidigungsminister Dan Jarvis überprüft deshalb derzeit die britischen Beschaffungspläne. Die Veröffentlichung eines langfristigen Investitionsprogramms für die Streitkräfte wurde verschoben. Innerhalb der Regierung wächst die Sorge, dass die bisherigen Planungen die Bedeutung autonomer Waffensysteme und Drohnen unterschätzen.
Gleichzeitig warnen Militärs vor einem enger werdenden Zeitfenster. Der deutsche General Christian Freuding geht davon aus, dass Russland bis 2029 wieder in der Lage sein könnte, einen Nato-Staat anzugreifen. Premierminister Keir Starmer hatte bereits erklärt, Moskau könne bis zum Ende des Jahrzehnts eine direkte Herausforderung für das Bündnis darstellen. Neue Satellitenaufnahmen zeigen zudem einen Ausbau russischer Militäranlagen an den Grenzen zu Finnland, Norwegen und den baltischen Staaten.
Besonders kritisch beurteilen Experten die Lage der britischen Landstreitkräfte. Die Armee verfügt noch über rund 73.000 aktive Soldaten. Bei einer Nato-Verpflichtung zur Verteidigung eines Bündnispartners könnten britische Einheiten nach Einschätzung ehemaliger Kommandeure modernen russischen Drohnensystemen nur unzureichend begegnen. Bei einer Übung in Estland soll ein britischer Panzerverband innerhalb weniger Stunden durch Drohnenangriffe ausgeschaltet worden sein.
Auch die Luftverteidigung gilt als Schwachpunkt. Grossbritannien verfügt über keine landgestützten Raketenabwehrsysteme vergleichbar mit jenen anderer Nato-Staaten. Militärs warnen, dass bei koordinierten Angriffen wichtige Infrastruktur, Militärstützpunkte oder Städte nur begrenzt geschützt werden könnten.
Zur See sehen die Streitkräfte vor allem die Gefahr russischer Aktivitäten gegen Unterwasserkabel und Energieinfrastruktur. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden mehrfach russische U-Boote in britischen Gewässern registriert. Die Royal Navy kämpft gleichzeitig mit alternden Schiffen und langen Wartungszeiten. Mehrere zentrale Programme zur Modernisierung der Flotte stehen unter finanziellem Druck.