In mehreren niederländischen Städten sind Proteste gegen die Asylpolitik in Gewalt umgeschlagen. Wie lokale Behörden und niederländische Medien berichten, setzten Demonstranten in der Gemeinde Loosdrecht eine Unterkunft für Asylsuchende in Brand. Zum Zeitpunkt des Angriffs befanden sich 15 Migranten im Gebäude. Verletzt wurde nach bisherigen Angaben niemand.
Remko de Waal/EPA/Keystone
Besonders schwer waren die Ausschreitungen in der nordholländischen Gemeinde nahe Amsterdam. Laut Polizei versammelten sich dort mehrere hundert Personen vor einem leerstehenden Rathaus, das vorübergehend als Unterkunft für Asylsuchende genutzt wird. Demonstranten warfen Feuerwerkskörper und blockierten zeitweise die Feuerwehr. Erst nach einem grösseren Einsatz der Bereitschaftspolizei konnten die Einsatzkräfte den Brand löschen. Mehrere Personen wurden festgenommen.
Der Bürgermeister sprach von einer «gezielten Aktion gegen schutzbedürftige Menschen» und verhängte den Notstand. Bereits in den Tagen zuvor hatte es in Loosdrecht Proteste gegen die geplante Unterbringung von Asylsuchenden gegeben. Die Gemeinde hatte die ursprünglich vorgesehene Kapazität nach Beschwerden von Anwohnern bereits von 110 auf 70 Plätze reduziert.
Auch in Den Haag, Apeldoorn und 's-Hertogenbosch kam es zu Protesten und Zwischenfällen vor geplanten Unterkünften. Hintergrund ist die seit Jahren angespannte Lage im niederländischen Asylsystem. Besonders das Erstaufnahmezentrum Ter Apel an der deutschen Grenze gilt als chronisch überlastet. Um die Verteilung von Asylsuchenden landesweit zu erzwingen, hatte das Parlament 2024 ein Gesetz beschlossen, das Gemeinden notfalls zur Aufnahme verpflichtet.
Ministerpräsident Dick Schoof verurteilte die Ausschreitungen scharf. «Man darf seine Sorgen äussern, immer. Aber Gewalt anzuwenden ist niemals erlaubt», erklärte er auf der Plattform X. Vertreter rechter und rechtspopulistischer Parteien äusserten hingegen Verständnis für die Wut vieler Anwohner. Sie werfen der Regierung vor, die Sorgen der Bevölkerung zu ignorieren.