Die israelische Militärführung hat zu Beginn ihres jüngsten Vergeltungsschlags auf die Hamas drastische Anpassungen bei den Einsatzregeln vorgenommen. Gemäss einem Bericht der New York Times dürfen Angriffe auf Hamas-Mitglieder bis zu zwanzig zivile Todesopfer in Kauf nehmen. Bei hochrangigen Kommandanten ist sogar von bis zu hundert Toten die Rede. Diese Praxis stehe im Gegensatz zu früheren Regelungen, bei denen zivile Opfer weitgehend vermieden werden sollten.
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Die neuen Regeln sollen ermöglichen, dass Hamas-Kämpfer und deren Verstecke effizienter angegriffen werden. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu erklärte dazu: «Alle Orte, wo sich Hamas-Leute aufhalten und verstecken, werden wir in Schutt und Asche legen.» Dennoch behauptet das israelische Militär, man halte sich an internationales Recht und ergreife Massnahmen dafür, zivile Opfer zu minimieren. Kritiker werfen Israel jedoch vor, dass Warnsignale für Zivilisten häufig ausbleiben und veraltete Zieldatenbanken auf fehlerhafte Informationen zurückgreifen würden.
In den ersten Wochen des Konflikts feuerte Israel fast 30.000 Geschosse auf Gaza ab, mehr als in den folgenden acht Monaten zusammen. Zivile Opfer wurden dabei oft als unvermeidlicher «Kollateralschaden» dargestellt. Laut dem Bericht reduzierte das Militär den Einsatz von präzisen Waffen und griff stattdessen vermehrt auf «dumme Bomben» zurück, die besonders verheerende Auswirkungen haben können.
Die New York Times führt umfangreiche Untersuchungen auf Grundlage von Interviews mit über hundert Soldaten, Beamten und Experten an. Kritisiert wird insbesondere die Nachlässigkeit bei der Überprüfung ziviler Verluste und die mangelnde Verantwortlichkeit innerhalb der Militärhierarchie. Obwohl ein israelischer Untersuchungsausschuss Hunderte Angriffe prüft, wurde bisher keine Anklage erhoben.