Die Schweiz rüstet angesichts neuer Bedrohungen aus der Luft und wachsender Unsicherheit in Europa ihre Armee deutlich auf. Das sagte Verteidigungsminister Martin Pfister am DACH-Treffen in Berlin. Die Schweiz wolle «Verantwortung für ihre eigene Sicherheit übernehmen» und zugleich ihren Beitrag zur Sicherheit Europas leisten.
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Bern reagiert damit auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und die veränderte Bedrohungslage durch Drohnen, Raketen und Cyberangriffe. Die traditionell neutrale Schweiz investiert derzeit rund 0,7 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in die Verteidigung. Bis 2032 sollen die Ausgaben schrittweise auf 1 Prozent steigen. Damit bleibt die Schweiz zwar unter dem Niveau vieler Nato-Staaten, entfernt sich aber klar von ihrer jahrzehntelang zurückhaltenden Verteidigungspolitik.
Im Zentrum steht die Luftverteidigung. Pfister räumte ein, dass die Schweizer Armee insbesondere «in der Luftverteidigung auch die Lücken schliessen» müsse. Die Schweiz beteiligt sich an der von Deutschland initiierten «European Sky Shield Initiative» und plant unter anderem die Beschaffung des Luftabwehrsystems Iris-T SLM. Bereits beschlossen sind zudem der Kauf amerikanischer F-35-Kampfjets sowie Patriot-Systeme.
Militärexperten sehen dennoch erhebliche Schwachstellen. Der ETH-Dozent Marcel Berni warnte gegenüber Euronews, teure Hochwertsysteme seien gegen billige Mini- und FPV-Drohnen nur begrenzt geeignet. Die Erfahrungen aus der Ukraine zeigten, dass günstige Drohnen das Kostenverhältnis in modernen Konflikten grundlegend verändert hätten. Berni sprach von «eklatanten» Lücken bei der Bodenluftverteidigung. Die Schweizer Armee baut deshalb ihre Drohnenfähigkeiten massiv aus und integriert erstmals eine Drohnen-Flugschule in die Rekrutenausbildung. Für Drohnen- und Drohnenabwehrsysteme sind im Rüstungspaket 2026 rund 70 Millionen Franken vorgesehen – doppelt so viel wie ursprünglich geplant.
Die Aufrüstung verschärft zugleich die Debatte über die Neutralität. Laut Berni zwingt die Sicherheitslage die Schweiz zu engerer militärischer Kooperation mit europäischen Partnern. Gleichzeitig verlangt eine laufende Volksinitiative, die Neutralität strikter in der Verfassung zu verankern. Die Schweiz steht damit vor einem sicherheitspolitischen Spagat: neutral bleiben – und dennoch verteidigungsfähig werden.