Die USA wollen der Nato bereits im Juni konkrete Pläne für einen weiteren Abbau ihres militärischen Engagements in Europa vorlegen. Das bestätigte ein hochrangiger Vertreter des US-Verteidigungsministeriums gegenüber der Welt am Sonntag.
Demnach sollen die angekündigten Änderungen in das amerikanische Truppen- und Fähigkeitsangebot für die nächste force sourcing-Konferenz des Bündnisses einfliessen. Auf diesen Treffen legen die Nato-Staaten fest, welche Kräfte und militärischen Fähigkeiten sie dem Bündnis zur Verfügung stellen. Die nächste Konferenz ist für Juni vorgesehen.
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Die Ankündigung unterstreicht den Kurs von US-Präsident Donald Trump, die europäischen Verbündeten stärker in die Pflicht zu nehmen. Bereits während seiner ersten Amtszeit hatte Trump höhere Verteidigungsausgaben der Nato-Partner gefordert. Seit seiner Rückkehr ins Weisse Haus treibt seine Regierung den Umbau der transatlantischen Lastenteilung weiter voran.
Nach Angaben des Pentagons soll die «Hauptverantwortung für die konventionelle Verteidigung Europas» künftig bei den europäischen Alliierten liegen. Dies solle «so schnell und effektiv wie möglich» umgesetzt werden. Welche konkreten Fähigkeiten reduziert werden, wurde zunächst nicht bekanntgegeben. Gemäss Berichten steht jedoch eine Verringerung der in Europa stationierten US-Kampfjets zur Diskussion.
Die Debatte fällt in eine Phase wachsender Unsicherheit in Europa. Die New York Times schrieb von einem «anhaltenden Zustand der Angst» angesichts des Ukraine-Kriegs, russischer Drohungen, wirtschaftlicher Schwächen und der Sorge über die künftige Rolle der USA im Bündnis. Auslöser der jüngsten Diskussionen war unter anderem ein russischer Drohnenangriff nahe der rumänischen Grenze.
Nato-Generalsekretär Mark Rutte bemüht sich seit Monaten um enge Abstimmung mit Washington. Einen grundlegenden Kurswechsel der USA konnte er bislang jedoch nicht erreichen. Sicherheitsexperten und Militärstrategen verweisen deshalb auf die Notwendigkeit, die europäischen Streitkräfte schneller auszubauen.
Der Historiker Timothy Garton Ash von der Oxford University forderte Europa auf, eine eigenständige Verteidigungsstrategie zu entwickeln. Die Herausforderung sei gross, sagte er, angesichts der geopolitischen Lage jedoch nicht länger aufschiebbar.