Péter Magyars designierter Justizminister Márton Melléthei-Barna hat seine Kandidatur nach Kritik an familiären Verbindungen zum künftigen ungarischen Regierungschef zurückgezogen. Der Anwalt erklärte auf Facebook, er wolle verhindern, dass «auch nur der kleinste Schatten» auf den politischen Übergang in Ungarn falle. Melléthei-Barna ist mit Magyars Schwester verheiratet.
FABIO CIMAGLIA/EPA/KEYSTONE
Noch wenige Tage zuvor hatte Wahlsieger Péter Magyar die Ernennung seines Schwagers öffentlich verteidigt und dessen fachliche Qualifikation als «unbestreitbar» bezeichnet. Kritik wegen möglicher Vetternwirtschaft sei zwar nachvollziehbar, aber beherrschbar, erklärte der designierte Ministerpräsident damals. Gleichzeitig kündigte Magyar an, seine Schwester werde ihr Richteramt niederlegen, um jeden Eindruck einer Vermischung staatlicher Gewalten zu vermeiden.
Melléthei-Barna betonte laut Politico, seine Ernennung wäre aus «rechtlicher, politischer, moralischer und menschlicher Sicht unangreifbar» gewesen. Dennoch hätten die familiären Beziehungen zum neuen Regierungschef in einer sensiblen Phase der Machtübergabe zu viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Gemeinsam mit Magyar habe er deshalb beschlossen, auf das Amt zu verzichten.
Als neue Kandidatin für das Justizministerium nominierte Magyar inzwischen die Juristin Márta Görög, Dekanin der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Szeged und Präsidentin eines regionalen Anwaltsverbands. Das ungarische Parlament tritt am Samstag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Dabei soll Péter Magyar offiziell zum Ministerpräsidenten gewählt werden.