Die deutsche Bundesregierung treibt ihre Bemühungen um den Kauf amerikanischer Tomahawk-Marschflugkörper voran. Dies berichtet die Financial Times. Grund dafür ist offenbar die Entscheidung des Pentagons, die ursprünglich geplante Stationierung eines US-Bataillons mit weitreichenden Waffensystemen in Deutschland abzusagen. Berlin sieht dadurch eine Lücke bei der Abschreckung gegenüber Russland.
U.S. Navy via AP
Verteidigungsminister Boris Pistorius plant gemäss dem Bericht eine Reise nach Washington, um die bereits im Juli 2025 eingereichte Anfrage zum Kauf von Tomahawk-Marschflugkörpern und Typhon-Startsystemen erneut voranzubringen. Ob die Reise stattfindet, hängt davon ab, ob Pistorius ein Treffen mit US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erhält. Die Beziehungen zwischen Washington und Bundeskanzler Friedrich Merz gelten nach Differenzen über den Iran-Krieg als belastet.
Die Bundesregierung hofft, die USA trotz der angespannten Beziehungen von einem Verkauf der Systeme überzeugen zu können. Deutschland erwäge dabei auch höhere Ausgaben, um schneller beliefert zu werden. Japan und die Niederlande warten bereits auf die Auslieferung ihrer bestellten Tomahawk-Systeme. US-Präsident Donald Trump hatte die ursprünglich unter Präsident Joe Biden vereinbarte Stationierung amerikanischer Langstreckenwaffen in Deutschland bislang nicht erneut bestätigt. Zudem sollen die amerikanischen Raketenbestände durch den Iran-Krieg belastet sein.
Ein Sprecher des deutschen Verteidigungsministeriums erklärte, der Kauf kommerziell verfügbarer Systeme sei «weiterhin geplant». Eine Voranfrage bei der US-Regierung sei gestellt worden. Zu einer möglichen Antwort aus Washington äusserte sich das Ministerium nicht. Parallel prüft Berlin europäische Alternativen, darunter das gemeinsame Raketenprogramm Elsa mit mehreren europäischen Staaten. Kurzfristig stehen diese Systeme jedoch nicht zur Verfügung.