Die EU-Kommission will sämtliche Importe fossiler Energieträger aus Russland beenden und strebt langfristig auch eine Abkopplung vom russischen Atomsektor an, berichtet die Financial Times. Während Öl und Kohle bereits sanktioniert sind und Erdgas bis 2027 auslaufen soll, bleibt die nukleare Zusammenarbeit mit Moskau besonders heikel. Zwar machen die Importe nuklearer Brennstoffe nur einen Bruchteil der EU-Energiekäufe aus – 700 Millionen Euro im Jahr 2024 bei insgesamt 22 Milliarden Euro –, doch der technologische Rückstand und die Abhängigkeit von russischem Know-how sind erheblich.
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Laut einem EU-Dokument werden Investitionen von 241 Milliarden Euro benötigt, um eine eigenständige europäische Nuklearindustrie aufzubauen. Die Kommission strebt einen vollständigen Ausstieg aus russischen Uranprodukten bis in die 2030er Jahre an. Besonders betroffen sind Länder wie Ungarn, die stark auf russische Reaktortechnologie setzen. Das ungarische Atomkraftwerk Paks soll mit russischer Hilfe erweitert werden und künftig bis zu drei Viertel des nationalen Strombedarfs decken.
Die politische Brisanz ist hoch: Während Kanada russische Uranimporte bereits vollständig verboten hat und die USA ab 2028 ein Importverbot verhängen, drohen in der EU Veto-Drohungen aus Ungarn und der Slowakei. Brüssel will daher auf handelsrechtliche Massnahmen zurückgreifen, die keine Einstimmigkeit erfordern.
Ein zusätzlicher Stolperstein: Russland beherrscht über 50 Prozent des globalen Urananreicherungsmarkts. Zwar investieren europäische Unternehmen wie Urenco und Orano in den Ausbau ihrer Kapazitäten, doch der Aufbau einer konkurrenzfähigen Lieferkette mit eigenen Konversions- und Anreicherungsanlagen braucht Zeit – und hohe Summen.