Nach dem Rücktritt seines bisherigen Stabschefs Andrij Jermak wegen einer Korruptionsaffäre hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den Chef des Militärgeheimdienstes, Kyrylo Budanow, zum neuen Leiter seines Präsidialamts ernannt. «In dieser Zeit braucht die Ukraine stärkeren Fokus auf Sicherheitsfragen», erklärte Selenskyj.
Ukrainian Presidential Press Office
Budanow (39) leitete bislang den Militärgeheimdienst HUR, der für eine Reihe effektiver Schläge gegen russische Ziele bekannt wurde. Mit seiner Ernennung signalisiert Selenskyj einen strategischen Kurswechsel: Die Schaltzentrale der Präsidentschaft soll sich stärker auf Sicherheits- und Verteidigungsfragen konzentrieren – ein klares Zeichen angesichts des andauernden Kriegs gegen Russland.
Selenskyj kündigte zudem weitere Umbesetzungen an: Digitalminister Mychajlo Fedorow soll Verteidigungsminister Denys Schmyhal ablösen. Fedorow, mit 34 Jahren der jüngste Minister im Kabinett, ist massgeblich in die ukrainische Drohnenstrategie involviert. Er soll insbesondere für den Ausbau der Drohnenkräfte und die Ausbildung neuer Operatoren verantwortlich sein. Schmyhal bleibt laut Selenskyj Teil des Regierungsteams und soll eine neue Aufgabe übernehmen.
Budanows Vorgänger im Präsidialamt, Andrij Jermak (54), war einer der einflussreichsten Männer im Machtapparat und spielte eine zentrale Rolle in den Verhandlungen mit den USA. Sein Rücktritt am 28. November folgte auf eine Razzia in seinem Haus durch ukrainische Anti-Korruptionseinheiten – obwohl ihm bislang kein Fehlverhalten vorgeworfen wird. Die Massnahme steht im Zusammenhang mit einem milliardenschweren Korruptionsskandal im ukrainischen Energiesektor, der Selenskyjs Position geschwächt und den laufenden Friedensverhandlungen mit westlicher Unterstützung belastet hat.