Simon Michel hat Mühe mit Andersdenkenden, vor allem wenn Leute in seiner Partei eine andere Meinung haben als der Milliardenerbe und FDP-Nationalrat. Weil Johann Schneider-Ammann in einem Gastbeitrag in der NZZ die neuen EU-Verträge kritisiert hatte, zweifelte Michel öffentlich an der Zurechnungsfähigkeit des früheren FDP-Bundesrats. Doch Michel kann es noch primitiver.
Nun hat er mit Gerhard Schwarz und Konrad Hummler zwei weitere liberale Denker öffentlich heruntergeputzt. Michel bezeichnete auf X den langjährigen NZZ-Journalisten Schwarz und den Ex-Bankier Hummler als «zwei neoliberal-libertäre Herren, die sich immer wieder gegen unsere Institutionen aussprechen». Ein plumper Versuch, die beiden in eine undemokratisch-unschweizerische Ecke zu stellen. Doch was haben die beiden aus Michels Sicht verbrochen?
Schwarz und Hummler werben für das neue Buch der NZZ-Autorin Katharina Fontana, das sich kritisch und vor allem aus juristischer Sicht mit den EU-Verträgen auseinandersetzt. Das Buch heisst «Verträge mit Tücken – Ein nüchterner Blick auf das emotionsgeladene Verhältnis zwischen der Schweiz und der EU» und wurde von der Stiftung Progress Foundation herausgegeben, die von Schwarz und Hummler präsidiert wird.
Simon Michel regt sich vor allem darüber auf, dass Schwarz und Hummler auch bei Parlamentariern Werbung machen mit dieser «Beurteilung durch eine Ex-Weltwoche-Journalistin». Fontana, eine der wenigen tatsächlich liberalen Stimmen im Bundeshausjournalismus, gilt als rotes Tuch bei den EU-Turbos um Michel. Ihre kritischen Texte werden bis weit oben ins federführende Aussendepartement gefürchtet.
Michels Aussetzer geht sogar Gerhard Pfister zu weit. Der frühere Mitte-Präsident spricht von einer «schäbigen Reaktion eines dünnhäutigen intoleranten Nationalrats». So habe etwa Schwarz in seiner langen Zeit als NZZ-Redaktor genug bewiesen, «dass er als echter Liberaler alles andere als libertär schrieb und handelte».