FDP-Vize Wolfgang Kubicki greift Bundeskanzler Friedrich Merz scharf an und stellt dessen wirtschaftliche Kompetenz in Frage. In einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen sagte Kubicki: «Ich bin kein Fan von Angela Merkel. In einem Punkt aber hat sie wahrscheinlich recht gehabt: Sie hat Friedrich Merz nie für kompetent gehalten.»
MICHAEL KAPPELER / KEYSTONE
Der langjährige FDP-Politiker verschärft damit einen bereits öffentlich geführten Konflikt mit dem CDU-Kanzler. Zuvor hatte Kubicki Merz in einem Podcast persönlich angegriffen und reagierte damit auf Aussagen des Kanzlers, wonach die FDP politisch bedeutungslos sei. Nun legt er nach und kritisiert auch dessen wirtschaftspolitische Fähigkeiten. «Aber offenbar ist der ökonomische Sachverstand des Kanzlers nicht so gross, wie auch ich lange geglaubt habe», sagte Kubicki weiter.
Der FDP-Vize macht keinen Hehl daraus, dass er eine bewusste Schwächung der Liberalen durch die Union vermutet. Die Strategie des CDU-Parteiapparats sei «nicht darauf ausgerichtet», die FDP stark zu machen. Gleichzeitig inszeniert sich Kubicki als Vertreter klarer Sprache. Auf Kritik an seinem Ton entgegnet er, er rede nicht anders als mit Bürgern im Alltag und verzichte bewusst auf politische Floskeln.
Die Aussagen fallen in einer Phase, in der sich die FDP neu positionieren muss. Kubicki, der als Kandidat für den Parteivorsitz gehandelt wird, verweist auf steigende Zustimmungswerte und spricht von wachsendem Bedarf nach klarer politischer Haltung. Einen eigentlichen «Kubicki-Effekt» sieht er jedoch erst ab einem Umfragewert von 6 Prozent.