Im Europäischen Parlament ist es bei der Ehrung der früheren deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Vorwürfen über angeblich künstlich aufgefüllte Zuschauerreihen gekommen. Das berichtet Tichys Einblick unter Berufung auf Angaben mehrerer Abgeordneter rechter Fraktionen, darunter Vertreter der AfD. Demnach wurden leer gebliebene Plätze von Boykotteuren kurzfristig mit Ersatzpublikum besetzt. Ziel des Boykotts sei es gewesen, die Verleihung des Europäischen Verdienstordens an Merkel sichtbar nicht mitzutragen.
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Das EU-Parlament und offizielle Stellen äusserten sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. Die frühere Kanzlerin war in Strassburg mit dem sogenannten European Order of Merit ausgezeichnet worden. Rechte und EU-kritische Fraktionen hatten angekündigt, der Zeremonie fernzubleiben. Nach Darstellung mehrerer beteiligter Parlamentarier hätten die freien Plätze als demonstrativer Protest gegen Merkels politische Bilanz sichtbar bleiben sollen.
Im Zentrum der Kritik steht Merkels Migrationspolitik seit 2015 sowie ihre Energie- und Europapolitik. Gegner werfen der ehemaligen Kanzlerin vor, mit der Grenzöffnung während der Flüchtlingskrise, dem Atomausstieg und der Unterstützung von Nord Stream 2 entscheidende Fehlentwicklungen in Deutschland und Europa ausgelöst zu haben. Besonders AfD-nahe Kreise betrachten die Ehrung deshalb als Ausdruck eines politischen Betriebs, der frühere Entscheidungen nachträglich legitimieren wolle.
Der Vorgang sorgt auch deshalb für Aufmerksamkeit, weil Bilder aus dem Plenarsaal in sozialen Netzwerken kursierten. Dort wurde behauptet, Besucher oder Mitarbeiter seien gezielt umgesetzt worden, um Reihen aufzufüllen und ein geschlossenes Bild der Unterstützung zu erzeugen. Eine unabhängige Bestätigung dafür liegt bislang nicht vor. Merkel selbst äusserte sich während der Veranstaltung nicht zu den Vorwürfen.