Im Vorfeld der Abstimmung vom 14. Juni zur SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» sind Roger Köppel und Pierre-Yves Maillard zum Streitgespräch aufeinandergetroffen. Die Debatte wurde im Podcast «Sous la coupole» geführt, organisiert von der Zeitung Le Temps, die den Austausch als direktes Duell zwischen einem Befürworter und einem Gegner der Vorlage präsentierte.
Bild: Marco Zanoni.
Im Zentrum steht die Volksinitiative «Keine Schweiz mit 10 Millionen Einwohnern», die eine Obergrenze für die ständige Wohnbevölkerung bis 2050 festlegen will. Der Bundesrat wäre verpflichtet, Massnahmen zu ergreifen, falls diese Grenze überschritten zu werden droht – bis hin zur Kündigung der Personenfreizügigkeit mit der EU.
Köppel verteidigte die Vorlage und sagte: «Ja, natürlich. Wir müssen Grenzen finden.» Mit Verweis auf Voltaires «Candide» übernahm er die Formel «Wir müssen unseren Garten bestellen». Köppel: «Als jemand, der in Deutschland studiert hat, auch etwas in den USA, der in Deutschland gearbeitet hat [der Weltwoche-Verleger und -Chefredaktor leitete einst die Redaktion der Tageszeitung Die Welt, Anm. d. Red.], bin ich ein weltoffener, typischer Schweizer. Aber wir müssen die Schweiz bewahren.»
Er warnte vor den Folgen einer «nicht kontrollierten» Migration. «Wollen Sie ein New York in Burgdorf? Wollen Sie in der Westschweiz nur noch Wolkenkratzer wie in Singapur? Wir haben eine Verantwortung für die Zukunft. Und jetzt müssen wir etwas tun.»
Maillard widersprach ihm deutlich. «Non», erklärte er auf die Frage, ob die Schweiz an ihre Grenzen stosse. Zwar spreche das Argument intuitiv viele an, doch langfristig werde das Bevölkerungswachstum ohnehin abflachen. Maillard: «Ich halte das für idiotisch, es ist kontraproduktiv, dass wir selbst eine Beschleunigung eines Prozesses auslösen, der mittelfristig ohnehin stattfinden wird.»
Die Ausgangslage: Ende 2024 überschritt die Schweizer Bevölkerung die Marke von 9 Millionen. Zwischen 2013 und 2022 kamen jährlich rund 66.000 Personen hinzu, 2025 lag die Nettozuwanderung bei über 74.000.
Auch in der Ursachenanalyse bleiben die Positionen unvereinbar. Köppel sieht in der Migration eine Belastung für Staat und Infrastruktur. Maillard hingegen wirft der SVP vor, mit der Initiative in Wahrheit Lohndumping zu begünstigen: «Es gibt keinen Willen der SVP, die Zuwanderung zu bremsen.»
Das ausführliche Gespräch finden Sie hier: