Der grosse britische Künstler David Hockney ist am Donnerstag 88-jährig verstorben. Er war der höchstdotierte lebende Maler. Sein «Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)» aus dem Jahr 1972 erzielte 2018 einen Rekordverkaufspreis von 90,3 Millionen Dollar. So würdigte unser Autor Michael Bahnerth das wunderbare Werk in der Ausgabe 13. August 2020:
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David Hockney, Portrait of an Artist, 1972 – Es gibt Weniges im Alltag und unter der Sonne, das die eigenen Schatten so zu ertränken mag wie ein Pool. Als ob beim Eintauchen in sein Wasser all der Schweiss des Lebens, die Hitze des Daseins, das Blei der Gedanken und der Schmutz der Welt nicht nur weggespült, sondern wie ausgewrungen werden. Als ob man für einen Moment zurückkehrt, von wo man gekommen ist; in diese Wasserblase, in der wir uns formten, bevor wir geboren wurden.
Man mag Pools für ein Symbol eines zwar angenehmen, aber doch sinnentleerten Lebens unter der Sonne halten, aber philosophisch betrachtet, spricht nichts gegen eine Existenz, die unter der Sonne und im und am Pool langsam ihrer endgültigen Verwässerung entgegentreibt.
Die Gewässer des Lebens des britischen Malers David Hockney (1937) sind tiefer als ein Pool, und auch wenn das Wasser darin farblos scheint oder blau oder türkisfarben, so ist es im Grunde stets purpurn. In seinen Pools wurde er zum grossen Schwimmer der Malerei, in seinen Pools ertrank er immer wieder einmal, in seinen Pools ging die Liebe baden. Das war, als er von London nach Kalifornien übersiedelte, seiner homoerotischen Skizzenbilder überdrüssig, die Schnauze voll, weil er mit seinem Lover ein verbotenes Leben führen musste. Vier Jahre lang sass er für die Dauer von Ewigkeiten am Pool, beobachtete das Lichtspiel auf dem Wasser, rauchte Kette, hatte zuerst noch Sex im Pool, dann nur noch Streit.
Die Liebe ging baden, Hockneys Seele ertrank. Er malte wie ein Getriebener ein monumentales Werk, «Portrait of an Artist». Der Mann im Anzug, bereit, den gemeinsamen Pool in der Paradieslandschaft zu verlassen und allein in die Welt zu schreiten, ist seine Liebe, die ihn nicht mehr wollte, Peter Schlesinger, der Schwimmer unter Wasser ist die verlorene Liebe. Und Hockney ist das Wasser selbst, das über dem Grund wie zersplittert stillsteht.