Lieber Roger Elsener
Was für ein Antrittsgeschenk! Pünktlich zu Ihrem Startschuss als Direktor von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) wurde Ihnen eine hausinterne Affäre vor die Tür gelegt. Da steckt alles drin, was eine gute Story braucht: Corona, Sport, Rassismus, Justiz und mindestens einer, der lügt.
Im schwelenden Skandal um die Hockeytrainer-Legende Patrick Fischer und «Schweiz aktuell»-Moderator Pascal Schmitz haben Sie freie Bahn, sich als neuer SRF-Chef zu beweisen. Zum Beispiel, indem Sie der ganzen Geschichte auf den Grund gehen und danach transparent und ehrlich informieren. Ihr TV-Chefredaktor Tristan Brenn konnte das ja leider nicht tun, weil er sich in einem «Sabbatical» befand, als es losging. Für zwei Wochen. Das, was andere Ferien nennen. Danach hat er reflexartig seinen eigenen Laden von jeder Schuld freigesprochen, wie er das eben immer macht.
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Sie haben einst Publizistik studiert und dürften daher mit der Wendung «off the record» vertraut sein. Zunächst hiess es bei SRF wochenlang, das historische Mittagessen zwischen Fischer und Schmitz sei nicht unter dieser Abmachung der Verschwiegenheit gestanden. Laut dem Hockeyverband war sie aber vereinbart worden, bestätigt in einem Mail-Austausch des Medienhauses, das Sie nun führen.
Ich nehme an, man wird Ihnen den Einblick in diese Mails nicht verwehren. Sicher haben Sie auch anderes zu tun, aber das könnte sich lohnen. Sollte stimmen, was der Verband sagt, müssten Sie vermutlich in Ihrem ersten Monat im Amt einige Köpfe rollen lassen. Damit gewinnt man keinen Beliebtheitspreis, gibt aber dafür den Tarif für die Zukunft durch. Der würde lauten: «Wir arbeiten sauber und spielen keine miesen Spielchen.»
Sie sind unbefangen. Sie waren nicht dabei, als SRF in der Corona-Zeit als verlängerter Arm des Bundesrats die allgemeine Hysterie befeuerte und alles Mögliche betrieb, nur keinen echten Journalismus. Deshalb können Sie nun auch aufräumen. Es muss ja nicht gerade ein Kahlschlag werden. Aber beginnen könnten Sie ruhig ziemlich weit oben.
Freundliche Grüsse
Ihr
Stefan Millius