Montenegro strebt den EU-Beitritt primär aus Sicherheitsgründen an. Das erklärte Premierminister Milojko Spajić am Donnerstag am European Pulse Forum von Politico in Barcelona mit den Worten: «Der EU-Beitritt war früher eine Geschichte über finanzielle Unterstützung für Infrastruktur. Aber das ist heute nicht mehr der Fall.»
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Spajić verschiebt damit den Fokus der Beitrittsmotivation: Weg von finanziellen Anreizen, hin zu geopolitischer Absicherung. Montenegro sehe die EU heute als Wertegemeinschaft, Binnenmarkt und sicherheitspolitisches Projekt. «Der Schlüssel für uns, warum wir der EU beitreten wollen, sind offensichtlich gemeinsame Werte, an die wir alle glauben, zweitens der Binnenmarkt – eine halbe Milliarde Menschen gegenüber einer halben Million Montenegriner. Und der dritte Punkt ist: Es ist ein Friedensprojekt, vielleicht sogar das letzte Friedensprojekt auf der Welt in diesen Tagen», sagte er. Hintergrund ist die veränderte Sicherheitslage in Europa seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 sowie neue Spannungen im transatlantischen Verhältnis.
Montenegro gilt als am weitesten fortgeschrittener Beitrittskandidat. Seit dem Start der Verhandlungen 2012 hat das Land 14 von 33 Kapiteln abgeschlossen. Spajić bezifferte den Fortschritt auf «80 bis 90 Prozent» und zeigte sich «sehr zuversichtlich», die verbleibenden Punkte bis Ende 2026 zu klären. Ziel bleibt ein Beitritt bis 2028. Parallel dazu laufen umfassende Reformen, die er als «absolut beispiellos» bezeichnete.
Innerhalb der EU wächst jedoch die Skepsis gegenüber einer schnellen Erweiterung. Mehrere Mitgliedstaaten verlangen zuerst institutionelle Reformen, bevor neue Länder aufgenommen werden. Spajić hält dagegen: Ein Beitritt Montenegros könne dem Westbalkan «Hoffnung» geben und die Erweiterungspolitik als strategisches Instrument stärken.
Die Debatte markiert einen Wandel: EU-Beitritte werden zunehmend als sicherheitspolitische Entscheidung verstanden, nicht mehr primär als ökonomisches Projekt.