Mattea Meyer ist wieder zurück. Die Co-Präsidentin der SP kündigt via Tages-Anzeiger an, ihre Erschöpfung überwunden zu haben und ihre Tätigkeit als Politikerin wiederaufzunehmen. An dieser Stelle: Glückwunsch und willkommen zurück!
Es ist gut, wenn bekannte Personen öffentlich über ihre Depressionen reden. Das kann weniger bekannten Personen dabei helfen, einen Umgang mit den eigenen psychischen Problemen zu finden, etwa durch die Beseitigung von Schamgefühlen.
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So spricht Meyer offen darüber, dass sie sich professionelle Hilfe geholt habe. Dass man in der Politik – und auch sonst im Leben – weder Superwoman noch Superman sein muss. Dass man «geduldiger und gelassener» mit sich selbst sein soll, achtsamer.
Leider belässt es Meyer nicht mit dem Teilen ihrer persönlichen Erfahrungen. Sie nutzt die Comeback-Bühne dafür, aus ihrem eigenen Seelenleben politische Forderungen für alle abzuleiten.
Dass Versicherungen und IV-Stellen bei finanziell schlecht situierten Betroffenen genauer hinschauten und damit «Druck und Misstrauen» auslösten, findet Meyer einen Missstand, der zu ändern zu sei.
Auch bei der Verfügbarkeit von Psychotherapeuten hat sie während ihrer fünfmonatigen Pause Handlungsbedarf festgemacht. Die Unterversorgung sei «dramatisch». Es bestünde «politisch riesiger Nachholbedarf», fordert die Wiedergenesene.
Und natürlich spricht Meyer auch von der «gnadenlosen Leistungsgesellschaft», die uns alle irgendwie zu Opfern mache. Vor allem als Mutter könne man es niemandem recht machen. «Egal, was wir machen, unsere Arbeit wird nach wie vor argwöhnischer beurteilt.»
Bei allem Respekt vor ihrem Stress, den Belastungen in ihrem Alltag und ihrem persönlichen Umgang damit: Mattea Meyer eignet sich schlecht als Fürsprecherin der Unterprivilegierten.
Für ihr Nationalratsmandat, einem Nebenamt (maximal 60–70 Prozent), bekommt sie im Jahr um die 130.000 Franken. Dazu kommen rund 40.000 Franken als Co-Präsidentin der SP. Das macht gemeinsam rund 13.000 Franken im Monat (bei dreizehn Monatslöhnen).
Der «Lohn» von Mattea Meyer ist fast doppelt so hoch wie der Medianlohn in der Schweiz. Das Geld schützt nicht vor Depressionen, aber es hilft, das Leben besser und einfacher zu planen und zu gestalten, Geld entlastet.
Meyer täte gut daran, ihre eigenen, sicherlich berechtigten Probleme nicht zum Massstab für alle zu nehmen. Eine alleinerziehende Mutter, eine fünfköpfige Familie mit tiefem Einkommen, ein geschundener Handwerker um die fünfzig und viele andere in diesem Land kämpfen mit weit grösseren Belastungen als die überprivilegierte Berufspolitikerin.