Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) warnt vor einer schweren Energiekrise und fordert einen Kurswechsel in der deutschen Energiepolitik. Dies schreibt sie in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Deutschland erlebe «eine der schwersten Energiekrisen der Geschichte», erklärt die Ministerin.
Reiche verweist auf stark gestiegene Preise für Öl, Flüssiggas und Diesel seit Beginn des Iran-Kriegs. Dies belaste Verbraucher und Unternehmen und koste Wirtschaftswachstum. Zugleich kritisiert sie den bisherigen Ausbau der erneuerbaren Energien. «Nun, so einfach ist das nicht», schreibt sie mit Blick auf die Annahme, Wind- und Solarenergie könnten die Probleme allein lösen.
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Die Ministerin beziffert die Systemkosten der Energiewende auf «über 36 Milliarden Euro pro Jahr». Dazu zählen unter anderem EEG-Kosten, Netz- und Kapazitätsreserven sowie Redispatch-Massnahmen. «Das sind 430 Euro für jeden Deutschen», schreibt Reiche. Bis 2035 könnten diese Kosten auf 90 Milliarden Euro steigen. Haushalte zahlten bis zu 37 Cent pro Kilowattstunde und damit deutlich mehr als im EU-Durchschnitt. «Unsere Industrie blutet aus. Die Deindustrialisierung beschleunigt sich», warnt sie.
Kritik äussert Reiche auch an Entschädigungen für abgeregelte Anlagen. «Fast 3 Milliarden Euro zahlen wir allein dafür, dass Windräder und Solaranlagen abgeregelt werden», schreibt sie. Künftig sollen Betreiber stärker an Kosten beteiligt werden. «Strom, der wegen Netzüberlastung abgeregelt werden muss, darf nicht mehr von der Allgemeinheit bezahlt werden.»
Am Ausbauziel für erneuerbare Energien hält die Ministerin fest, betont aber die Notwendigkeit gesicherter Kapazitäten, neuer Marktmodelle und weiterer Gaslieferungen. «Auch wenn wir es gern anders hätten: Wir brauchen weiterhin Gas», schreibt Reiche.