Der Krieg im Iran drückt die Wachstumsaussichten Deutschlands deutlich nach unten und steuert die grösste Volkswirtschaft Europas auf ein viertes Jahr faktischer Stagnation zu. Das deutsche Wirtschaftsministerium erklärte laut einem Bericht in der Financial Times, «die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland hat im ersten Quartal vor dem Hintergrund des Konflikts im Nahen Osten spürbar an Dynamik verloren».
Theo Heimann/DPA/Keystone
Die Bundesregierung plant demnach, die Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 1 auf 0,5 Prozent zu halbieren. Treiber bleibt vor allem staatliche Nachfrage, während Investitionen, Exporte und Konsum schwach bleiben. Gleichzeitig verteuern sich Energiepreise infolge des Kriegs, was die Wirkung eines milliardenschweren schuldenfinanzierten Ausgabenprogramms abschwächt.
Bundeskanzler Friedrich Merz warnte, die Folgen des Konflikts würden die Wirtschaft «für lange Zeit» belasten, und sprach von einer «sehr schwierigen wirtschaftlichen und politischen Situation». Kurzfristig stellte die Regierung ein Entlastungspaket von 1,6 Milliarden Euro zur Dämpfung steigender Treibstoffkosten vor.
Ökonomen sehen strukturelle Probleme verschärft. Der Chefökonom der Commerzbank bezeichnete das erwartete Wachstum als «im Grunde eine schwarze Null». Ifo-Präsident Clemens Fuest sagte: «Stagnation ist die neue Normalität.» Hohe Energiepreise träfen auf demografischen Druck, schwache Produktivität und zunehmende Bürokratie.
Besonders betroffen ist die energieintensive Industrie. Laut Daten liegt die Produktion in Chemie und Pharma auf dem Stand von 2004. Branchenvertreter berichten von Werksschliessungen wegen hoher Kosten und schwacher Auslastung. Parallel steigen Insolvenzen auf den höchsten Stand seit über 20 Jahren, die Arbeitslosigkeit liegt deutlich über dem Vorkrisenniveau.